Hass und Glamour
Zwei Filme im Panorama-Programm, wie sie unterschiedlicher nicht sein können: «Absolute Wilson», ein Glamour-Film über ein Glamour-Genie, und «Hamburger Lektionen», die spröde Dokumentation eines gesellschaftlichen Tatbestands, von dem man, außer dass er existiert, nichts weiß. Beide Filme wollen Informationen weitergeben und bedienen sich der jeweils angemessenen Form, im ersten Fall ist das, was man lernt, interessant, im zweiten wahrhaft atemberaubend.
«Absolute Wilson» ist der Versuch, aus acht Stunden Material einen 100-Minuten-Film zu machen, der, in der Diktion des Meisters, auch «The Life and Times of Robert Wilson» heißen könnte. Regisseurin Katharina Otto-Bernstein hat in aufwendiger Vorarbeit viele Dokumente vor allem zum frühen Wilson zusammengetragen, die größtenteils unbekannt, manchmal auch verschollen geglaubt waren. Der weite Weg des stotternden Jungen aus Waco, Texas, zum einflussreichsten Theatervisionär der Gegenwart ist sensibel und kenntnisreich dargestellt, immer wieder werden biografische Spuren in den verschiedenen Phasen des Gesamtwerks aufgezeigt. Kunst und die Beschäftigung mit ihr erscheint als fulminante Heilmethode, die nicht nur Wilsons eigenes Leben ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Barbara Burckhardt Seit Ihrem Episodenfilm «Lichter» (s. TH 4/03) haben Sie verstärkt und wohl mehr als jeder andere deutsche Filmregisseur mit Theaterschauspielern gearbeitet. Manche haben Sie erst fürs Kino entdeckt, wie August Diehl für das Hacker-Drama «23», der auch in «Lichter» spielte, zusammen mit Devid Striesow, den wir vorher auch nur aus dem Theater...
Die Texte des späten Beckett gelten als spröde und dem Theater schwer zugänglich. Die Prosa ist auf minimale, nicht mehr erzählend verbundene Sinneinheiten reduziert, während die Stücke Drama nur noch als Schwundstufe und selten den absurden Witz erkennen lassen, der «Godot» und «Endspiel» weltweit auf die Bühnen gebracht hat. Rein praktisch kommt dazu, dass man...
Der Kritiker über sich
Ich hatte mich auf die Premiere gefreut. Und hätte gerne über sie geschrieben. Doch das geht jetzt nicht. Statt dessen ist von einem Skandal zu berichten. Ich wurde von einem Schauspieler körperlich genötigt, nach ungefähr zwanzig Minuten das Theater zu verlassen. Dabei rief er mir die schönen deutschen Sätze «Hau ab, du Arsch! Verpiß dich!...
