Der Fall Stadelmaier

Eine Dokumentation ausgewählter Pressestimmen, Interviews und Kommentare zur Frankfurter Premiere von Ionescos «Das große Massakerspiel»

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Der Kritiker über sich

Ich hatte mich auf die Premiere gefreut. Und hätte gerne über sie geschrieben. Doch das geht jetzt nicht. Statt dessen ist von einem Skandal zu berichten. Ich wurde von einem Schauspieler körperlich genötigt, nach ungefähr zwanzig Minuten das Theater zu verlassen. Dabei rief er mir die schönen deutschen Sätze «Hau ab, du Arsch! Verpiß dich! Beifall für den Kritiker!» höhnisch nach. Es kam dann tatsächlich tröpfelnder Beifall im Publikum auf.

Wiewohl meine Kritikerkollegen sitzen blieben und nicht mit mir den Saal verließen, in dem man soeben auf eklatante Weise einem Kritiker die Freiheit genommen hatte, seinem Beruf nachzugehen. (...)

Man spielt in der Frankfurter Schmidtstraße aber nicht Ionescos «Großes Massakerspiel», sondern offenbar ein Anti-Stück mit dem ungefähren Arbeitstitel «Entgrenzung» oder auch «Aufhebung des Theaters» (Ionescos Erben und Rechte-Inhaber sollten sich das ruhig mal anschauen). Schauspieler erbrechen minutenlang Mineralwasser, einer Schwangeren wird das Fruchtwasser abgezapft und dieses dann geschlürft, wobei eine andere Frau zwei Männer, die «Ein Bier!» verlangt hatten, ausgiebig masturbiert und das Publikum gebeten wird, doch mit ...

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Theater heute April 2006
Rubrik: Der Fall Stadelmaier, Seite 4
von

Vergriffen
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