Hamburg: Häuser und Körper
«Tut mir leid»: Das sind die ersten Worte in Alice Birchs «Anatomie eines Suizids». Clara (Julia Wieninger) hat versucht, sich umzubringen, und weil ihr Mann (Paul Herwig) das weniger mit Mitgefühl als mit Vorwürfen kommentiert, flüchtet sich Clara in die Entschuldigung.
«Tut mir leid», der Satz wird noch mehrfach fallen, bei Claras Tochter Anna (Gala Othero Winter), die 30 Jahre später mit Sarkasmus, Wut und Trauer gegen Wände rennt und schließlich nicht mehr weiter weiß, bei ihrer Enkelin Bonnie (Sandra Gerling) weitere 30 Jahre später, die aus Angst vor Verletzungen jedes Liebesangebot zurückweist und sich schließlich sterilisieren lässt, um die unausweichliche Folge aus Lieblosigkeiten und Selbsttötungen endgültig abzubrechen.
Katie Mitchell hat schon die Uraufführung von «Anatomie eines Suizids» vor zwei Jahren am Londoner Royal Court inszeniert; auf der großen Bühne des Hamburger Schauspielhauses übernimmt sie jetzt auch die deutschsprachige Erstaufführung. Mit ihrer Hamburger Stammschauspielerin Wieninger, für die sie 2017 Sarah Kanes inhaltlich verwandtes Solo «4.48 Psychose» als Studie der Unversöhnlichkeit auf die Nebenbühne des Hauses brachte. Es gibt allerdings einen ...
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Theater heute Dezember 2019
Rubrik: Chronik, Seite 52
von Falk Schreiber
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