Hamburg: Ach, Gottchen

frei nach dem Mythos «Orpheus», nach Louis «Im Herzen der Gewalt» im Thalia Theater

Theater heute - Logo

Das Hamburger Thalia Theater und die Popmusik, das ist eine nicht erwiderte Liebe. Immer wieder versucht man hier, Inszenierungen entlang von Popsongs zu strukturieren, immer wieder fällt man damit auf die Nase – vergangene Saison unter anderem mit Stefan Puchers Abba-«Tartuffe», Ene-Liis Sempers und Tiit Ojasoos Rammstein-«Hänsel und Gretel» und Jette Steckels Kate-Tempest-«Sturm». Und doch gibt man sich nicht geschlagen und versucht weiter, das Pop-Versprechen von Leidenschaft, Sentiment, Sex, Ironie und Revolte in die eigene Arbeit zu integrieren.

Jüngster Anlauf: der Mythos von Orpheus, dem antiken Sänger, der fieseste Gegner mit seiner Stimme betören konnte und der selbst seine verstorbene Geliebte Eurydike aus dem Totenreich zurückholte, naja, zumindest fast.

Die Idee leuchtet ein: «Orpheus» ist eine Poperzählung, in der unbedingte Liebe ebenso verhandelt wird wie Problemlösung mittels guter Songs (außerdem bietet sich der Stoff auch noch für gnadenlose Oberflächenbegeisterung an). Und Antú Romero Nunes ist ein Regisseur, dem man zutraut, die Ungereimtheiten dieser Geschichte mit eleganter Unbekümmertheit zu überspielen. Als inhaltliche Setzung gibt er vor, dass Orpheus und ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Oktober 2018
Rubrik: Chronik, Seite 64
von Falk Schreiber

Weitere Beiträge
Das Auftreten des Zimmermädchens

Eva Behrendt Reden wir über Ihr zweites Stück!

Clemens Setz Inzwischen gibt es schon das dritte. Es wird am Grazer Schauspielhaus gerade von der Schweizer Regisseurin Claudia Bossard wild umgeschrieben, ganz neu, völlig anders. 

EB Und das ist okay für Sie, auch bei der Uraufführung?

Setz Absolut. Tatsächlich scheint es diese Tradition zu geben, bei der...

Berlin: Für jeden Fettnapf offen

Der Ursprung der Pilgerfahrt nach Mekka liegt in einer Erzählung, die auch im Alten Testament zu finden ist. Hagar (dt. die Fremde), Abrahams Nebenfrau, irrt dort mit ihrem durstigen Sohn Ismael durch die Wüste, sieben Mal rennt sie zwischen den Bergen Safa und Marwa hin und her, bis Gott schließlich die rettende Quelle Zamzam entspringen lässt. Heute, erfährt man...

Kino: Glotzt nicht so romantisch!

Es ist eine wahre Geschichte, fast vergessen: der Streit um die Verfilmung des unerwarteten Sensationserfolgs der «Dreigroschenoper» 1928 im Theater am Schiffbauerdamm. 1930 landete er vor Gericht. Brecht hatte ein eigenes Filmexposé dafür geschrieben, «Die Beule», sehr viel schärfer und politisch pointierter als die Erfolgsoper um den Bettlerkönig Peachum und den...