Gletscherschmelze

Wolfram Höll, der Nachwuchsdramatiker des Jahres, denkt über die Wende vor 25 Jahren nach

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Lang, sehr lang war ich überzeugt gewesen, die DDR, die Wende und deren Nachwehen seien mein Thema. Dann, seit ein paar Jahren, habe ich geglaubt, ich hätte mich davon gelöst; und es ist wohl auch kein Zufall, dass ich in der Schweiz wohne, und nicht mehr in meiner Geburtsstadt Leipzig. Das ist nicht meine Geschichte, dachte ich mir. Mehr noch: Die DDR ist tatsächlich Geschichte, und darüber bin ich froh. Ganz so einfach ist es leider nicht. Also werde ich ein wenig erzählen.

Meine Beziehung zum Ganzen, das ist, wie bei manchem Schriftsteller: das Buch des Vaters.

Mein Vater war Philosoph an der Uni Leipzig, seine Habilitation fiel genau in die Zeit der Wende; seine Laufbahn nahm ein Ende. Das ganz ohne Stasiverstrickungen. Für den dialektischen Materialis­mus gab es einfach keine Nachfrage mehr, so dachte man zumindest.

Im Laufe der Jahre setzte ich dann einiges gleich. Die Geschichte des
Vaters mit dem Wegwerfen der Ideale, die der DDR vermeintlich zugrunde gelegen hätten: Die Idee für den Kuchen war spitze, nur das Rezept falsch, und der Küchenmaschinenaufsatz, und der Zucker, und der Koch sowieso. (Im Nachhinein möchte ich fast sagen, dass eigentlich auch schon die Idee, ...

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Theater heute November 2014
Rubrik: Foyer, Seite 1
von Wolfram Höll

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