Ahoi, Sechs-Sparten-Haus!
Mit einer Blutgrätsche wurde die Saison am Volkstheater Rostock (VT) eröffnet. Anders kann man es nicht formulieren in einer Stadt, in der der örtliche Fußballverein Hansa, inzwischen in der dritten Liga beheimatet, noch immer die städtische Identität prägt. Da wurde nach fünf Jahren Interimsintendanz endlich wieder ein Theatermacher per öffentliche Ausschreibung bestellt, noch dazu einer, Sewan Latchinian, der an seiner letzten Station in Senftenberg bewiesen hat, dass er kräftig zu rödeln vermag.
Und der sendet sogleich Aufbruchsignale: verpasst dem Haus einen neuen maritimen Außenauftritt, verkündet den Ausbau des Vier- zum Sechsspartenhaus (mit Bürgerbühne und Figurentheater zusätzlich zu Oper, Tanz, Schauspiel und Philharmonie) und setzt zum Saisonstart den «Stapellauf» als allumfängliches Allsparten-Event an (von der Art jener Marathons, wie er sie in Senftenberg, einem ungleich kleineren, reinen Schauspielhaus, schon praktizierte). Doch plötzlich ist in den Tagen vor dem «Stapellauf» überhaupt nicht mehr die Rede von Aufbruch, sondern von Defiziten, Haustarifregelungen, Spartenschließung. Die Politik hat, wie so oft in den letzten Jahren in Rostock, zugeschlagen oder, um ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute November 2014
Rubrik: Magazin, Seite 64
von Christian Rakow
Freundlicherweise macht sich Tom (Gerrit Jansen) gleich zu Beginn des Abends die Mühe, das ästhetische Prinzip der Aufführung zu erklären. Glatze, Hornbrille, schlechte Körperhaltung im zeitlosen Hänger-Look und ein gewisser Übereifer kennzeichnen den jungen Mann aus einem Kaff in der amerikanischen Provinz als angehenden Halbintellektuellen mit tristem...
Das Fräulein macht in der Geschichte der menschlichen Art nur kurz Karriere. Es entsteigt dem 19. Jahrhundert schüchtern als Vorbotin weiblicher Eigenständigkeit, wird Anfang des 20. Jahrhunderts in der zu mieser Hochform auflaufenden Männerwelt zerrieben, um sich dann, in der zweiten Hälfte des Säkulums, in die Frau zu verwandeln und zu sich selbst zu kommen. In...
Nostalgie ist der Russen heiligste Gefühlsregung, wichtiger noch als Patriotismus und süßer als Sorgen um die Zukunft. Die Vergangenheit aufzupolieren, ist generell eine Eigenschaft des menschlichen Erinnerungsvermögens, die Russen betreiben sie mit besonderem Eifer und in großer Vielfalt: der eine das vorrevolutionäre Russland, ein anderer die bei uns als...
