«Das ist überhaupt kein Theater!»
Nostalgie ist der Russen heiligste Gefühlsregung, wichtiger noch als Patriotismus und süßer als Sorgen um die Zukunft. Die Vergangenheit aufzupolieren, ist generell eine Eigenschaft des menschlichen Erinnerungsvermögens, die Russen betreiben sie mit besonderem Eifer und in großer Vielfalt: der eine das vorrevolutionäre Russland, ein anderer die bei uns als «Kommissare mit staubigen Helmen» bezeichneten Revolutionäre, die Konservativen die stramme Stalin-Epoche, die Intelligenzija die sanfte Tauwetterperiode.
Sich an die Vergangenheit zu erinnern oder sie nostalgisch zu verklären, sind allerdings verschiedene Dinge. In Russland aber sind es Synonyme. Nicht zu verklären heißt, sich nicht zu erinnern, und das bedeutet: Dir ist nichts heilig. Die hohe Form der Vaterlandsnostalgie betrifft vor allem die 60er Jahre. Diese Epoche lieben alle gleichermaßen. Über die 60er Jahre gibt es in Russland sogar so etwas wie einen Konsens, dem selbst die finstersten Patrioten und die begeistertsten Liberalen zustimmen: Das waren gute Zeiten! Das stimmt, die Zeiten waren wirklich gut. Die 60er Jahre haben die letzte sich als ein Ganzes wahrnehmende Generation hervorgebracht, und: eine letzte ...
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Theater heute November 2014
Rubrik: Ausland Russland, Seite 40
von Marina Davydova
Der Sekretär kam nicht. Da saßen sie nun am 13. Oktober 1989 im Intimen Theater Schwedt, um mit dem SED-Genossen Hahn und der Kreis- und Bezirksleitung über die kulturpolitische Ausrichtung des Theaters zu sprechen. Das Ensemble war da, Techniker und natürlich Intendant Klaus Tews und seine Oberspielleiterin Tatjana Rese, in gewisser Weise die Auslöser für das...
2./Sonntag
2.55, arte: Traum im Herbst Theaterfilm (2011) von Jon Fosse, mit Pascal Greggory, Valeria Bruni Tedeschi, Bulle Ogier u.a., Regie Patrice Chéreau
5./Mittwoch
20.15, ARD: Bornholmer Straße Spielfilm (2014) von Heide und Rainer Schwochow, mit Charly Hübner, Milan Peschel, Ulrich Matthes, Ursula Werner, Margit Bendokat, Hermann Beyer u.a., Regie Christian...
Ein stilles Haus, dieses Schauspielhaus. Eines, in das die Wanduhr zur vollen Stunde wie eine Totenglocke einschlägt, und wo jedes «Lebehoch» unschicklich klingt, sogar zum Namenstag der jüngsten Tochter. Die Zürcher Intendantin Barbara Frey hat dieses Haus zu Spielzeitbeginn Anton Tschechows «Drei Schwestern» eingerichtet, natürlich lungert dort die örtliche...
