Gestalten mit gesenktem Kopf
Mit der Bildenden Kunst verhält es sich nicht anders als mit dem Theater. Im entscheidenden Augenblick ist auch sie davon abhängig, wann und wo sie gezeigt wird. Auch ihr Erfolg hängt wesentlich vom Kontext ab. Das gilt für einzelne Arbeiten oder Installationen ebenso wie für eine monografische Werkschau, wie sie jetzt in Halle an der Saale gezeigt wird: «Einar Schleef. Der Maler».
Um es vorwegzunehmen: Was einen in Halle erwartet, verblüfft und erfreut in jeder Hinsicht – von den gezeigten Arbeiten des bis jetzt nur wenigen als Bildender Künstler bekannten Literaten, Theatermanns, Darstellers, Bühnenbildners und Regisseurs bis hin zur Art und Weise ihrer Präsentation auf hohem Niveau. Das fängt mit ihrer Präsenz in der Universitätsstadt an, noch bevor man in der Ausstellung angelangt ist. Bereits in den Bahnhofspassagen und bis ins Zentrum hinein wirbt man mit Plakaten, die mit provokanten Sprüchen Schleefs, jedoch nicht mit Bildern locken: «Was macht die Gegend aus uns, dass wir eigenartige Leute sind.»
Man spürt, da soll einer heimgeholt werden: Einar Schleef, 1944 im nahen Sangerhausen
geboren und aufgewachsen, ging bereits 1963 zum Kunststudium nach Berlin, 1976 verließ er den ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
In der «Süddeutschen Zeitung» hat Peter Laudenbach gejubelt: In der «maroden» Volksbühne bekäme man, «was man in diesem grauen Bunker zu allerletzt erwartet hätte: eine Inszenierung, die in ihrer großen Leichtigkeit ziemlich gute Laune macht». Und weiter: «Der Plot ist simpel: Vater Ubu, ein vulgärer Dummkopf, ermordet den König von Polen, um selber König zu werden...
Man weiß vom Besuch des Teufels beim Dichter Rattengift in Grabbes Lustspiel «Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung» (1822), dass jener aus Mangel an Inspiration an seiner Feder kaut. Solche Zusammentreffen bleiben bekanntlich nicht ohne Folgen. Nicht dass auch Lars Norén an einer Feder saugen müsste! An die 1700 unpaginierte Bögen des gerade erschienenen...
Troilus und Cressida stehen Romeo und Julia in vielem nach, nicht nur, was ihren Popularitätsgrad anbelangt, sondern auch im Extremismus ihres Gefühls. Wo das trojanische Paar zaudert und zögert, weil Cressida für sich erkannt hat: «Begehrt wird die nur, die sich ziert», stürzen sich die beiden jungen Veroneser mit haltloser Unbedingtheit in ihre Liebe, die sie...
