Zweifelsfrei selbstherrlich
Man weiß vom Besuch des Teufels beim Dichter Rattengift in Grabbes Lustspiel «Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung» (1822), dass jener aus Mangel an Inspiration an seiner Feder kaut. Solche Zusammentreffen bleiben bekanntlich nicht ohne Folgen.
Nicht dass auch Lars Norén an einer Feder saugen müsste! An die 1700 unpaginierte Bögen des gerade erschienenen «Tagebuch eines Dramatikers» mit einem Gesamtgewicht von fast anderthalb Kilo zeugen im Gegenteil von der sehr produktiven Personenchemie zwischen einem unermüdlichen Egomanen und einem sich in die Nachtschwärze des Einbandes hüllenden Exorzisten.
Mit Beleidigungen, Verleumdungen, bösartigem Klatsch und Tratsch in fast täglichen Einträgen während der Jahre 2000–2005 wird viel Rattengift ausgestreut, wovor nicht einmal der Schreibende selber sicher ist: «Ich werde ... mich befreien, befreien davon, anderen Menschen wehe zutun. Mich befreien von der Scheiße» gelobt er sich, ziemlich erfolglos. Immer-hin ein Ausgleich für die über weite Strecken ermüdenden Alltagsbanalitäten von der Art «Wir waren drinnen bei Dussmann. Ich ging auf die Toilette dort, während Charlie nach Schallplatten suchte». Dann wieder diverse Krisen, ...
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Seit Detlev Bucks «Wir können auch anders» (1993) haben jedenfalls viele Filmemacher ihre Westernsehnsucht im deutschen Nordosten ausgetobt, zuletzt Pepe Planitzer (Jahrgang 1969), dessen «Alle Alle» (2007) jetzt in die Kinos kommt. Das Drehbuch geht auf Oliver Bukowskis Theaterstück «Burnout» von 1992 zurück: verrückte Zeiten, damals kurz nach der Wende. Und es...
Michael MerschmeierHerr Trittin, Sie gehen gern und häufig ins Theater – nicht gerade
üblich für einen Politiker.
Jürgen TrittinDas resultiert aus einer biografischen Vorschädigung. Ich hab beim Schultheater mitgespielt – zum Beispiel den Kai in «Kai aus der Kiste», Branco in «Die rote Zora» oder im «Gespenst von Canterville». Das hat mir großen Spaß gemacht....
In der «Süddeutschen Zeitung» hat Peter Laudenbach gejubelt: In der «maroden» Volksbühne bekäme man, «was man in diesem grauen Bunker zu allerletzt erwartet hätte: eine Inszenierung, die in ihrer großen Leichtigkeit ziemlich gute Laune macht». Und weiter: «Der Plot ist simpel: Vater Ubu, ein vulgärer Dummkopf, ermordet den König von Polen, um selber König zu werden...
