Geschlossene Gesellschaft
Im zwölften Jahrhundert wurde die traurige Geschichte von Tristan und Isolde von Dichtern in Frankreich, England und Deutschland erzählt. Mit ihren Motiven wurden Pokale und Bücher bemalt, Holzkästchen und Elfenbeintafeln beschnitzt. Es war ein höfisches Märchen, das die ehebrecherischen Eskapaden mit interessierter Distanz betrachtete. Die Romantik entdeckte das Mittelalter neu und nahm die alten Geschichten furchtbar ernst. Das bürgerliche Individuum las aus dem ungeeigneten Objekt die Tragödie seiner Einschränkung heraus.
Richard Wagners Oper bedeutete die totale Entgrenzung: Ein Paar geht lieber in den Tod, als die Unmöglichkeit seiner Liebe in dieser Welt zu akzeptieren. Und ebenso radikal brach die Musik mit allem, was für Melodie, Rhythmus, Struktur und Harmonie europäischer Musik im Lehrbuch stand. Diese Klänge öffneten eine neue Welt unerhörten Farbenreichtums, unendlicher Melodie und narkotischen Rauschs. Als «Tristan und Isolde» 1865 dank des wie ein Deus ex machina erschienenen jungen Königs Ludwig endlich in München uraufgeführt wurde, befürchtete der Komponist, bei einer guten Aufführung könnten die Menschen verrückt werden. Was zuerst da war, der musikalische Exzess ...
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Theater heute Oktober 2015
Rubrik: Magazin, Seite 78
von Bernd Feuchtner
Der erste Raum, das erste Bühnenbild von Bert, in dem ich arbeiten durfte, war eine vollständige Blockhütte. Das war im Jahr 2000 im Prater der Volksbühne. Wir haben sie später mit auf Reisen genommen, und zwar während der von Bert erfundenen Rollenden Road Schau. Ich hab eine Menge Zeit in dieser Blockhütte verbracht und eben nicht nur bei Theaterproben. In...
«3000 Euro» sind nicht die Welt, können aber – vor allem wenn sie fehlen – einen entscheidenden Unterschied machen. In seinem gleichnamigen Roman untersucht Thomas Melle mit unsentimentaler Genauigkeit, aber nicht ohne Empathie, was passiert, wenn eine Existenz ins Rutschen gerät. Anton wohnt vorübergehend in einem Übergangsheim, aber manchmal übernachtet er auch...
Dortmund zeigt «DIE Show». Aber nicht nur das Zeigen («show») wird gezeigt, sondern auch das Sterben («DIE»). Das Leben ist der Einsatz einer Fernsehwette. Ein unbewaffneter Freiwilliger wird eine Woche lang von einem Killerkommando durch die Stadt gejagt. Wenn er überlebt und in der live übertragenen Show ankommt, erhält er eine Million Euro, überlebt er nicht,...
