Geschichte von unten
Kinder sind bekanntlich ein gelehriger Spiegel ihrer Umgebung. Ihre Fähigkeit zur Anpassung, selbst an die brutalsten Verhältnisse, ist gleichzeitig Überlebensstrategie und Verhängnis, wobei die Frage, ob etwas nützlich oder schädlich ist, notgedrungen der Unterscheidung, ob richtig oder falsch, vorangestellt wird. Dass ausgerechnet in Schwaben und Württemberg noch bis ins 20. Jahrhundert hinein Kinderarbeit in großem Stil betrieben wurde, weiß man spätestens durch Jo Baiers herzerschütterndes Fernsehdrama «Schwabenkinder» aus dem Jahr 2003: Seit dem 18.
Jahrhundert zogen jedes Frühjahr Hunderte von kleinen Wanderarbeitern auf beschwerlichen Wegen übers Gebirge, um sich auf den Kindermärkten in Ravensburg oder Wangen an reiche Bauern zu verdingen. Ein hungriger Esser weniger am Tisch und dafür auch noch Geld in der Haushaltskasse – für die verarmten Familien aus den Tiroler Bergtälern war der Verkauf der Kinder oft die einzige Möglichkeit zu überleben, für die florierende schwäbische Landwirtschaft eine willkommene Quelle billiger Arbeitskräfte und – aus heutiger Sicht – ein Stoff für kernig-sozialkritische Geschichtsbewältigung im ambitionierten History-Format.
Nicht so im ...
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