Die Wahrheit der Imagination
Verdammt, sie spricht ja Hindi!» Eine blasse blonde Engländerin beschämt in dem Bollywood-Film «Rang de Basanti – Die Farbe Safran» die jungen Männer von Delhi. Sie interessiert sich mehr für die indische Kolonialgeschichte als die Studenten, die sich über ihr eigenes Land lustig machen und nur davon träumen, in die USA zu gehen.
Sue kommt aus London, aus dem Zentrum des ehemaligen Empire. Sie hat die Tagebücher ihres Großvaters im Gepäck. Er hatte zu Beginn des 20.
Jahrhunderts die britische Kolonialordnung durchzusetzen und erlebte dabei, wie opferbereit und unerschrocken echter Patriotismus sein kann. Sue möchte nun einen Film über diese Zeit drehen, und die Studenten, mit denen sie es zu tun bekommt, sind ihre erste Besetzung für die Hauptrolle der historischen Helden.
Kunstvoll werden so zwei Epochen zueinander in Beziehung gesetzt: Das traditionelle Indien, dem die westliche Moderne aufgezwungen wurde, und das (post)moderne Indien, das seine Traditionen ignoriert. Damit ist auch die Problemstellung des indischen Mainstream-Kinos umrissen, das ständig bestrebt ist, lokale und globale Einflüsse miteinander zu vermitteln und in die Form einer breit angelegten Choreografie zu ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Das Meer ist unergründlich und endlos weit, tosend, wild und unberechenbar: auch in Jon Fosses Theaterstück «Sommertag». Auf drei dominanten Prospekten hat Monika Gora (Bühne) es eingefangen, auf denen die Grenze zwischen Horizont und Himmelswolken verwischt. Im Vordergrund ein paar weiße Bretter in schiefer Bahn und ein blaugraues, wellengemustertes Sofa. Der...
Der israelische Künstler Absalon war ein Architekt der Isolation. Seine penibel weißen «Zellen» besaßen Bett, Schrank, Tisch, Stuhl, Mini-Küche, Hock-Klo und Neon-Licht, und wenn es ein Fenster gab, dann nur als Schlitz. Ob die Abschottung in diesen bewohnbaren Monaden erzwungen oder freiwillig sein sollte, Mönchsklause oder Isolationshaft, ließ Absalon offen....
Das gibt es also: den geplanten Zufall. Nichts Beiläufigeres, Unangestrengteres, scheinbar Planloseres auf Erden und der Bühne als Ruedi Häusermanns stilles Geräuschetheater, Sinfonien aus Surren und Sirren, Gurren und Girren, Zirpen und Zupfen, als hätte sich ein freundlicher Tinnitus zum Weltgeräusch aufgeschwungen. Und doch liegt dem allen ein zweifellos...
