Gefrorenes Lächeln in verminter Gegend

Nachkriegszeit in Sarajevo: In der ausgebrannten Nationalbibliothek inszeniert Dino Mustafic Dea Lohers «Adam Geist»

Theater heute - Logo

So nah sind die Berge. Wie ein Schweizer Modell-Städtchen ist Sarajevo eingebettet in die Landschaft, man möchte an diesen ungewöhnlich sonnigen Oktobertagen am liebsten einfach loswandern, direkt aus der Stadt hinaus in die Natur – doch davor warnt nicht nur das Auswärtige Amt: Noch immer ist die Gegend schwer vermint. Noch immer bedeutet von den Straßen abzuweichen Gefahr. 

So nah sind die Berge. Von überall sichtbar. Und umgekehrt ist die Stadt von dort oben bis in manchen Winkel hinein einsehbar; die Geschichte von den Scharfschützen zu Zeiten des Bosnien-Krieges kennt man.

Sniper Alley wurde die Hauptstraße genannt, die sich kilometerlang durch ganz Sarajevo zieht. Weiter westlich liegt an ihr das Holiday Inn, aus dem ausländische Korrespondenten ihre Nachrichten in die Heimat sendeten. Im Osten, unterhalb der Altstadt, steht die Nationalbibliothek. Das, was von ihr übrig ist.

 

Provinz gegen Metropole

Als sie im Sommer 1992 brannte, gingen die Bilder um die Welt. Rund zwei Millionen Bücher wurden vernichtet. Ein beträchtlicher Teil des kulturellen Erbes Bosniens und Herzegowinas ging in Flammen auf. 

Es heißt, die Bibliothek sei als Ziel der Granaten – ziemlich zu Beginn der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Februar 2005
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Florian Malzacher

Vergriffen
Weitere Beiträge
Ernst und unpathetisch

Peter Palitzsch, gestorben mit 86 Jahren, war auf eine entschlossen bescheidene Weise nur er selbst; und dennoch verkörperte sich in ihm die Idee eines bedeutenden, ernsten deutschen Theaters. Das wäre ein Theater, das sich selbst ernst nimmt – noch ernster aber die Anderen: das Publikum eines Abends, die Bewohner einer Stadt, die Bürger unseres Landes und, ja, die...

Fun ist ein Schaumbad

Vier Tage vor der Premiere sprach der ehemals wilde Mann ein zu Herzen gehendes Wort zum Sonntag. Der «fünffache Papa» Frank Castorf, lange nach eigenem Bekunden im «Tagesspiegel»-Gespräch ein «Rabenvater», erwähnte sein «wachsendes Bedürfnis, sich zu verändern». Hat er etwa deshalb jetzt sein erstes Märchen inszeniert und gar nicht, um den Autor Hans Christian...

Kindgerechte Märchenhaltung

Gab man bei Google Anfang 2005 die beiden Suchbegriffe «kindgerecht» und «Theater» ein, dann erhielt man als erstes Suchergebnis einen Gästebucheintrag vom Theater Bautzen mit folgendem Wortlaut: «Am letztem Sonntag besuchten ich und meine beiden Söhne die Familienvorstellung des angeblichen Weihnachtsmärchens ‹Der gestiefelte Kater›. Mit großem Entsetzen musste...