Fremd bin ich
Irgendwas kommt in meinen Stücken immer beredt zum Ausdruck, aber wer beredet da was und wie? In meiner «Winterreise» wird vor dieser Sprechenden hier die Landschaft vorbeigezogen. Eine spricht im Stillstand. Aufgrund einer Angst-Erkrankung bin ich nicht imstande, diesen Preis, über den ich mich sehr freue, persönlich entgegenzunehmen, und leider – das beschreibe ich ja – kann ich auch am Leben kaum je teilnehmen. Es ist also eine Reise im Stehen, nicht einmal im Warten, denn wenn man wartet, kommt ja möglicherweise noch mal was daher.
Gehen ist schon zu viel, man könnte sagen, es ist ein Verlorengehen, ohne sich von der Stelle zu rühren. Der Leiermann steht barfuß auf dem Eis, und irgendwann wird die Wärme seiner Füße ihn durch das von seiner letzten Lebenswärme geschmolzene Eis brechen lassen, ähnlich wie die verlassenen ehemaligen DDR-Grenzhunde, die Marie-Luise Scherer in einer ihrer literarischen Reportagen beschreibt. Keiner kümmert sich mehr um die Tiere, die Grenze, die sie zu bewachen hatten, ist verschwunden, und sie rennen in ihrer Verstörung, so weit ihre Kette reicht, im Kreis, bis die Wärme ihrer Pfoten das Eis an dieser Stelle geschmolzen hat und sie in einem ...
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Theater heute August/September 2011
Rubrik: Akteure, Seite 60
von Elfriede Jelinek
Das ist die Dramaturgenfrage: Was wollen wir mit diesem Stück erzählen? In Moers wirft der Regisseur ein paar Assoziationen zur Zeitgenossenschaft von Molières «Geizigem» in den Raum: «Geiz ist geil … wir zeigen diese ganze Überflutungsgesellschaft … eine immer-geile Inzestfamilie ... mit mehreren Fat-Suites übereinander …» Komplett wird das Klischee durch DEN...
Liebes Theater heute,
vielen Dank für Ihren etwas melodramatischen Expeditionsbericht aus dem dunklen Maschinenraum der deutschen Theaterlandschaft im letzten Heft.
Soeben bin ich dem BLB-Bus entstiegen, habe keine 5 Zäpfle intus, kein trauriges Fern-Beziehungs-Gespräch im Herzkreuz. Ich suche nicht von der Kargheit meiner Landesbühnenexistenz gebeutelt auf...
Schade, dass es an diesem Premierenabend keine Liveschaltung in Frank Castorfs Gedanken gab. Zu gerne hätte man gewusst, ob der Intendant seinem ehemaligen Schauspieler Herbert Fritsch den Erfolg gönnt und seinem Haus endlich mal wieder ein enthusiastisch gestimmtes Publikum, ob er im Angesicht der Klamotte in ihrer reinsten Form erstarrte oder sich gar selber...
