Frau Siegfried
Der König erklimmt seinen Thron. Sein Thron ist ein wackeliger Matratzenstapel, eine Nummer zu groß und zu tückisch für einen wie Gunther (Ben Daniel Jöhnk), diesen Burgunderschlaffi. Als er im x-ten Anlauf endlich oben ist, hüpft er auf seiner Bettenburg herum wie ein verzogener Bengel. Bald wird er sich noch ganz anders lächerlich machen.
So viel zu König Gunther. Vergessen wir ihn. Er hat ohnehin wenig zu melden. Muss nur in den entscheidenden Momenten stillhalten, dann findet ihn der Untergang von ganz allein.
Hebbels «Nibelungen» – dieser Lindwurm von einer Liebes-, Historien- und Rachetragödie – baut in Christoph Fricks Freiburger Version auf Hagen von Tronje. Das ist wenigstens noch ein Mann. Thomas Mehlhorn weiß, wie ein stolzer Recke einen Stuhl in Splitter haut, so aus ehrlichem, unbefriedigtem Jagdtrieb heraus.
Oder Siegfried, der immerblonde Nibelungenheld. Das ist noch eine Frau. Jawohl. Die sagenhafte Johanna Eiworth ist zwar die Kleinste auf dem weiten blauen Tanzboden, der einen recht spartanischen Burgunderhof darstellt (Bühne, Kostüme: Viva Schudt). Dafür fällt ihr Bericht über Siegfrieds Abenteuer hünenhaft aus: sein Sieg über den Drachen und das Blutbad, das ihn ...
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Die Frage ist: Wie deutlich muss man werden? Seit Jahren läuft zwischen Theatermachern und -kritikern immer dasselbe Spiel: Die Regisseure inszenieren so drastisch wie möglich, die Rezensenten werfen ihnen Plattheit vor, und am Ende heißt es immer, man solle den Zuschauer doch nicht für dumm erklären, er würde das auch so verstehen.
Nun kann man sich auf den...
Michael Merschmeier Wir haben zusammen Jürgen Goschs Inszenierung von Tschechows «Onkel Wanja» im Deutschen Theater gesehen. Ihr Vater war Arzt, Sie haben auch Medizin studiert. Ist die Figur des Doktor Astrow Ihrer Erfahrung nach eine Karikatur: ein Trinker, der kaum arbeitet, aber über zu viel Arbeit klagt?
Jürgen Zöllner Die Kombination Arzt und viel Arbeit ist...
Neue Stücke
Die Mülheimer «Stücke», das wichtigste Festival für neue deutschsprachige Dramatik, hat kurz nach dem Berliner Theatertreffen seine Liste der bemerkenswertesten uraufgeführten Stücke des letzten Jahres veröffentlicht: Fritz Kater «Heaven (zu tristan)» (Maxim Gorki Theater Berlin/schauspielfrankfurt), Dea Loher «Das letzte Feuer» (Thalia Theater...
