Fragen gegen das Leid
Oft führt man Gespräche mit Kolleg*nnen und Freunden über die Frage, ob etwas Kunst ist, und wenn ja, darf es das? Selten führt man ein Gespräch mit jemanden wie Thomaspeter Goergen, der Dramaturg und Jurist zugleich ist.
Dieses Gespräch habe ich kürzlich mit ihm geführt, und wir kamen auf folgende Gedanken.
Der Jurist sagt, die Kunst ist frei, und hat gleichzeitig Schwierigkeiten zu bestimmen, was da überhaupt frei sein soll. Kunst ist sogar für Juristen offenbar schwieriger zu definieren als zum Beispiel die Religion.
Wahrscheinlich hat man aber beim Grundgesetz nicht wie Beuys gedacht, denn dann hieße der Artikel ja in etwa «Die Schaffung neuer Formen, in unserer Gesellschaft zu leben, ist frei». Man kann sicher formal oder materiell versuchen, sich an Kunst anzunähern. Kunst ist dabei etwas sehr Ethisches. Der Gedanke Ästhetik gleich Ethik ist nicht neu; die ethischen Aufgaben erneuern sich aber.
Wie wir uns verhalten, Menschen und die Welt behandeln, ist heute vielleicht mehr als je zuvor nicht mehr von einem inneren Zensor beherrscht; es sind unsere Wahrnehmungen, die kontrolliert werden, bevor sie in unserem Hirn überhaupt zum Gedanken werden können. Der Satz von ...
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Theater heute Jahrbuch 2016
Rubrik: Grenzen der Kunstfreiheit, Seite 58
von Ersan Mondtag
Sie wolle etwas Heiteres schreiben, ihr sei nach Komödie, soll Elfriede Jelinek angekündigt haben, und nach den schweren Texten, die in letzter Zeit aus ihrer Feder kamen, wie «Die Schutzbefohlenen», in dem sie sich unermüdlich am Flüchtlings-Thema abarbeitete, oder «Wut», in dem sie die Anschläge von Paris thematisierte, nahm sie sich das Thema Mode vor.
Auch laut...
A
Ayad Akthar
The Invisible Hand (Schauspielhaus Bochum)
The Who and The What (Deutsches Schauspielhaus Hamburg)
Paul Auster
Mr. Vertigo (Theater Dortmund)
Alan Ayckbourn
Rondo (Theater Bielefeld)
Saphia Azzedine
Zorngebete (Theater Ulm)
Malin Axelsson/Karin Serres/Marianne Ségol
Rose Rose Rose (Theater der Jungen Welt Leipzig)
B
Michail Bartenjew und Alexej...
Ein wolkenloser Tag im Mai. Ein Frühlingstag. Ein Junge, keine sechs Jahre alt, läuft entlang eines Baches den Vögeln hinterher. Der Bach teilt Hügel und Felder. Auf der einen Seite wächst Wein, auf der anderen weiden Kühe, Pferde und Schafe. Zwei Dörfer liegen an diesem Bach, «aneinandergeschmiegt wie Zwillinge im Bauch der Mutter». Und der Legende nach waren die...
