Fenster ohne Vorhang

Nach dem Wettersturz: Was haben sich das deutsche und das hollän­dische Theatersystem zu sagen? Über den Wert von Institutionen, notwendigen Umbau und neue Unterscheidungen: die Eröffnungsrede zum Netherlands Theatre Festival 2014

Theater heute - Logo

Vor einigen Jahren, ich war Dramaturg am Schauspielhaus Bochum, später in Zürich, wurde mir das deutschsprachige Produktionssystem unheimlich, weil seine Begriffe, mit denen ich aufgewachsen bin und auch gewohnheitsmäßig umging, nicht mehr zu erfassen schienen, was da plötzlich entstanden ist in den späten 90ern und frischen Nullerjahren des neuen Milleniums. Damals fing ich an, vom «Theater des Tages» und einem «Theater der Nacht» zu sprechen.

Schauen Sie sich unsere traditionellen Stadttheater in der westlichen Welt an – es sind Höhlen.

Wenn sich die Türen, die in ihr Inneres führen, schließen, wird es dunkel und still, nichts von draußen dringt mehr her­ein, und alles, was wir ab nun im Inneren dieser Höhlen erblicken, ist hier unter den Bedingungen seiner besonderen Künstlichkeit zur Erscheinung gebracht – im Kunstlicht der Scheinwerfer, an einem Ort, der nicht der Ort ist, von dem die Schauspieler sprechen, die meistens in der Maske waren, bevor sie auftreten, und Namen tragen, die nicht ihre sind. In diesem Vivarium treten die Toten wieder auf – sie werden durch das Blut von uns Zeitgenossen wieder belebt; Häuser wie dieses, in dem ich gerade spreche, sind also Draculas Burg. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute November 2014
Rubrik: Essay, Seite 46
von Thomas Oberender

Weitere Beiträge
In Zeiten der Enteigentlichung

Vier Tage nach der Saisoneröffnung im Deutschen Theater Berlin wurde rund um die Hauptstadt in Brandenburg gewählt. Und, oh Schreck, die ziemlich neue nationalkonservative Partei mit dem kraftvollen Namen «Alternative für Deutsch­land» wilderte für ihre 12 Prozent nicht nur kräftig in der Stammwählerschaft der CDU, sie bediente sich auch bei sämtlichen anderen...

Hinweis

Hochschule für bildende Künste Hamburg (HFBK)
Lerchenfeld 2
22081 Hamburg
Tel. +49(40) 42 89 890
Fax +49(40) 42 89 89 271
www.hfbk.hamburg.de

Studienschwerpunkt Bühnenraum
Ziel des Studienschwerpunktes »Bühnenraum« ist die Grundlegung einer eigenständigen künstlerischen Position sowie die Anleitung zu historisch-kritischer Reflexion theoretischer und praktischer...

Ahoi, Sechs-Sparten-Haus!

Mit einer Blutgrätsche wurde die Saison am Volkstheater Rostock (VT) eröffnet. Anders kann man es nicht formulieren in einer Stadt, in der der örtliche Fußballverein Hansa, inzwischen in der dritten Liga beheimatet, noch immer die städtische Identität prägt. Da wurde nach fünf Jahren Interimsintendanz endlich wieder ein Theatermacher per öffentliche Ausschreibung...