Es ist Tauwetter!
Europa liegt in Trümmern, zerbombt von Terroristen. Aus dem Radio ruft die «Stimme der Revolution» die im Westen angekommenen Tschechen nach «Bugulma», der vermeintlich letzten Bastion des Kommunismus. – Wer möchte, kann sich hier einen gesellschaftspessimistisch abgedrehten Science-Fiction vorstellen, aber Jachym Topols böse Satire «Die Reise nach Bugulma» ist weit mehr.
Der dritte Beitrag der Düsseldorfer Uraufführungsreihe «Das neue Europa – Warten auf die Barbaren» zeigt die Um- und Aufbruchssituation im Zuge der EU-Osterweiterung einmal spiegelverkehrt und versprüht dabei ganze Fontänen tiefschwarzen Humors.
Das zerbombte Europa bildet in dem erstem Theaterstück des tschechischen Autors ein futuristisches Zerrbild, das alsbald mit der sowjetischen Vergangenheit kollidiert, mit den schmachvollen und gern verschwiegenen Opfern der kommunistischen Diktatur, aber auch mit den Blütenträumen unverbesserlich schwelgender Altkommunisten: Vater Eman ist mit seiner Familie zwar in der EU angekommen, aber höchst unzufrieden. Denn mit der Abschaffung der Todesstrafe ist der ehemalige «Henker von Prag», der unter den Kommunisten gut zu tun hatte, arbeitslos geworden und fühlt sich als ...
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Hassan ist sechzehn Jahre alt und lebt, wie viele Menschen ausländischer Herkunft, in Essen-Katernberg. Hassan ist in Essen geboren. Liebe, sagt er, ist für ihn das Wichtigste im Leben. Deshalb hat es ihm das Herz gebrochen, als seine Freundin Angelika ihm eines Tages per SMS die Beziehung aufkündigte. Seitdem findet Hassan: «Liebe ist nur ein Mord». Diesen Spruch...
Andreas Dresen hat sich früher einmal, in seinem höchst erfolgreichen Experimentalfilmer-Alltag, noch mit einer «halben Treppe» irgendwo in Ex-Ost-Deutschland an der Oder zufrieden gegeben. Jetzt macht er gerade Oper in Basel am Rhein, und da wird er unweigerlich zum monumentalistischen Gesamtkunstwerker. Klar hat ihn die halbe Treppe damals wie kein weiterer Film...
Der Kritiker über sich
Ich hatte mich auf die Premiere gefreut. Und hätte gerne über sie geschrieben. Doch das geht jetzt nicht. Statt dessen ist von einem Skandal zu berichten. Ich wurde von einem Schauspieler körperlich genötigt, nach ungefähr zwanzig Minuten das Theater zu verlassen. Dabei rief er mir die schönen deutschen Sätze «Hau ab, du Arsch! Verpiß dich!...
