Elefantengroße Liebe
Schwer zu sagen, was einem hier gezeigt wird: Ist es die Dramatisierung der Tagebücher und Briefe zweier Menschen? Und wo fangen der «Mann» und die «Frau» überhaupt an, wenn Herbert Achternbusch und seine langjährige Lebensgefährtin und Lieblingsschauspielerin, die im Jahre 2005 gestorbene Annamirl Bierbichler, doch so offensichtlich hinter diesen Figuren hervortreten, dass sie sich sogar mit Vornamen anreden?
Der Text «Einklang» des Gesamtkünstlers Achternbusch wirkt im ersten Moment so persönlich, dass man meint, als ungebetener Zaungast Worten zu lauschen, die kaum
für fremde Ohren bestimmt sind. Doch das unverhohlen Autobiografische vermischt sich in den siebzehn unchronologischen Momentaufnahmen mit einer allgemeinen schicksalhaften Dimension, denn der Tod ist der Ort, von dem aus die Erinnerung zur Sprache kommt. In dieser posthumen Verarbeitung der gemeinsamen Zeit gewinnt die Verklärung kaum die Oberhand, zu sehr zeugen die Dialoge nicht nur von der Größe einer Liebe, sondern auch vom Aneinandervorbeigehen, von Einsamkeit und Abhängigkeit und entbehren nichts an absurder, aber auch inniger Tragik. Die detaillierte Rekonstruktionsbesessenheit einzelner Liebesmomente oder ...
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Noch immer dient das Leben großer Geister dem voyeuristischen Publikum als Beglaubigung für deren Denken. Eine existentielle Grundierung einsamer Schreibtischkämpfe befördert zumeist den Nachruhm; materielle oder seelische Nöte bewirken dann wenigstens verspätete Rezeptionsgewinne. Was wäre Nietzsche in unseren Augen ohne sein umnachtetes Ende, was Kierkegaard...
Neue Nachbarn lernt man kennen, indem man sich von ihnen Geschichten erzählen lässt. Wobei nicht nur der Inhalt, sondern vor allem auch die Art und Weise des Erzählens Aufschluss über die momentane Gemütslage, begründete und unbegründete Ängste und Hoffnungen geben können. Seit der Heidelberger Stückemarkt vor einigen Jahren, noch unter Intendant Günther Beelitz,...
Manchmal muss man sehr früh aufstehen, um nichts zu verpassen. Als sich an diesem Montagmorgen im Juni ein Grüppchen Menschen beim vereinbarten Treffpunkt im Wiener Museumsquartier eingefunden hat, ist es kurz nach drei Uhr morgens und noch dunkel. Die wackeren Leute sind gekommen, um die Premiere der niederländischen Performance «Het blauwe uur» («Die blaue...
