Ein tiefer Atemzug Hoffnung
Noch immer dient das Leben großer Geister dem voyeuristischen Publikum als Beglaubigung für deren Denken. Eine existentielle Grundierung einsamer Schreibtischkämpfe befördert zumeist den Nachruhm; materielle oder seelische Nöte bewirken dann wenigstens verspätete Rezeptionsgewinne.
Was wäre Nietzsche in unseren Augen ohne sein umnachtetes Ende, was Kierkegaard ohne seine inneren Qualen, was Max Weber ohne seine sexuellen Pathologien und langwierigen Depressionen? Doch solcherart Ruhm ist stets auch ein Risiko für eine intellektuelle Vita: Alle Welt kennt heute Hannah Arendt als Geliebte Martin Heideggers, während ihre Philosophie hinter dieser privaten Leidenschaft mitunter fast verschwindet.
Solch eigentümlich miteinander verwobenes Geflecht von Leben und Denken, inklusive Vor- und Nachteile, prägt zweifellos auch die Wirkungsgeschichte von Theodor W. Adorno und Walter Benjamin. Beider persönliches Drama war das Exil, in das sie nach 1933 durch die Machtübernahme der Nationalsozialisten in Deutschland gezwungen wurden. Zwei Pariaexistenzen im Überlebenskampf, im intellektuellen und wortwörtlichen Sinne – dieses tragische Schauspiel bewegt zu Recht die Fantasie der ...
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Man wartet ja immer auf das Stück zur Wende, zur Klimakatastrophe oder zum Terrorismus. Jetzt haben wir eins, und dafür ist es sogar ziemlich gut (nachzulesen auf den Seiten 68–81 in diesem Heft). Simon Stephens betritt den 7. Juli 2005, den Tag, als in London 52 Menschen durch Bombenanschläge in U-Bahnen und einem Bus starben, durch die Seitentür. Nicht die Täter...
Der Titel hat Charme. Erst gegen Ende seines Textes gönnt Lukas Holliger den vier Mitstreitern dieser Fantasy-Party die Erkenntnis, «Pottwale … wollen werden wie wir. Kaum aus dem Wasser, realisieren die in ihren kalten Gehirnen, dass sie sich weder reibungslos in uns verwandeln können, noch, dass wir das Leben gut machen. Sie bleiben schockiert auf dem Sand liegen...
Wenn es um die Schnittstelle von Bildender Kunst und Theater geht, gehört der 1960 geborene Filmemacher und Regisseur Christoph Schlingensief zu den Grenzgängern par excellence. In den 90er Jahren mischte er mit talkshowartigen Abenden («100 Jahre CDU», «Schlacht um Europa»), politischer Aktionskunst («Bahnhofsmission Schlingensief», «Chance 2000», «Ausländer...
