Einspruch: Das fehlt!

Gegenvorschläge von Andreas Wilink, Christine Dössel und Peter Laudenbach

Theater heute - Logo

Das Hehre im Normalmaß

Karin Beiers Kölner «Die Troerinnen» nach Euripides und Jean-Paul Sartre

Zweimal war Karin Beier während ihrer Kölner Intendanz mit eigenen Arbeiten zum Berliner Theatertreffen geladen, mit Ettore Scolas «Die Schmutzigen, die Hässlichen und die Gemeinen» sowie dem Jelinek-Triptychon. Ihre stark kondensierten «klassischen» Inszenierungen fehlen.

«Die Troerinnen» ziehen die Summe aus der Polit-Performance von Hebbels «Nibelungen», mit der Beier 2007 in Köln startete, der Intimität des Medea-Materials in Grillparzers «Das Goldene Vlies» und Shakespeares «Lear»-Apokalypse. Klangkörper, Tanzkörper, Klagekörper sind die sieben Frauen; in grau-schwarze Daunenüberwürfe gekleidet, umhüllt von Vogelstimmen und Kettengeklirr, Nebelschwaden und schwerem Atem, verteilen sie sich auf der leeren Fläche (Thomas Dreißigacker) – zugleich Spielplatz eines düsteren Abenteuerspiels.

Mehr Oratorium als Drama ist die Schmerz-Partitur zum Gotterbarmen, obschon die Olympier vom Dichter Euripides expatriiert, von Sartre zum Sterben verurteilt und von Beier nahezu neutralisiert werden. Altgriechische Wehklage, englische Songs, deutsches Liedgut, theoriesatte Diskurs-Prosa von Cioran, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Mai 2013
Rubrik: Theatertreffen Berlin, Seite 26
von Andreas Wilink, Christine Dössel, Peter Laudenbach

Weitere Beiträge
Schmoren in der Jauchegrube

Zu dritt warten wir auf den Einlass zur Hölle. Die Hölle, das ist beim dänischen Performancekollektiv Signa eine Mischung aus Dante Alighieris infernalischer Systematik, die das historische und mythologische Weltwissen seiner Zeit widerspiegelt, und einem Themennachtclub, den ein gewisser Herbert Godeux im Gedenken an seine Frau Mama errichtet hat. Vor allem aber...

Oben und unten

«Licht und Finsternis», das heißt in Lars-Ole Walburgs Inszenierung von gleich zwei Tolstoi-Texten an einem Abend ganz pragmatisch oben und unten. Denn Walburg spielt das Drama «Die Macht der Finsternis» und das Fragment «Und das Licht leuchtet in der Finsternis» nicht nacheinander, sondern bringt die Geschichte um einen gut situierten Systemaussteiger und eine...

Lears Infarkt

Zu ihrem zwanzigjährigen Bestehen beschenkt die britische Kult-Physical-Theatre-Gruppe «Told by an Idiot» sich und die insulare Theaterwelt mit einer wunderbar skurrilen neuen Produktion. «Idiot»-Veteran Paul Hunter kickstartet «My Perfect Mind» in weißem Kittel, Walle-Perücke und perfektem Deutsch. Besonders Letzteres für einen Engländer eine grandiose Leistung:...