«Eine aufregende Zeit, um für das Theater zu schreiben»

Roland Schimmelpfennig ist ein erfahrener Autor: 27 Stücke in gut 15 Jahren. Und man kann ihm nicht vorwerfen, dass er sich dabei wiederholt. Er hat große Gesellschaftspanoramen geschrieben wie «Auf der Greifswalder Straße» und vertrackte Erzähl-Spiele wie «Die arabische Nacht», er hat mit Boulevard-Perspektiven experimentiert («Die Frau von früher») oder mit Musical-Existenzen («Reich der Tiere»). Wieder ganz anders ist das Stück des Jahres gebaut, «Der Goldene Drache»: 15 Figuren in 48 Szenen, gespielt von fünf Schauspielern, erzählen ein Drama der Globalisierung. Der ganz große Bogen, millimetergenau geschrieben, mit Mitteln, über die nur das Theater verfügt. Besser geht es nicht – fanden auch viele der von uns befragten Kritiker, die es mit großer Mehrheit zum Stück des Jahres wählten.

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Franz WilleWie sind Sie auf die Idee für den «Gol­denen Drachen» gekommen?

Roland SchimmelpfennigAuslöser für das Stück waren zwei Begegnungen: Die eine morgens um neun zufällig auf der Straße mit einem Rechtsanwalt aus dem Freundeskreis, der mich darauf ansprach, ob ich mir nicht vorstellen könnte, etwas über illegale Einwanderer in Deutschland zu schreiben – wobei er vor allem die Situation in den Abschiebegefängnissen meinte, die er als Anwalt gut kannte.

Mit den Verhältnissen in den Gefängnissen habe ich mich dann tatsächlich genauer beschäftigt, fand es aber zu komplex, die unterschiedlichen kulturellen Hintergründe – von Osteuropäern über Asiaten bis zu afrikanischen Häftlingen – in einem einzigen szenischen Rahmen abzubilden. Diese Schwierigkeiten führten zu der entscheidenden Überlegung: Wie kann man als deutscher Theatermacher diesem Thema gerecht werden? Eine schwierige, aus meiner Sicht mit den normalen Theatermitteln so nicht zu lösende Aufgabe.

FWMit den Mitteln verkörpernder Darstellung?

SchimmelpfennigWie kann man diese Menschen darstellen? Was gewinnt man, wenn man es auf dem naturalistischen Weg versucht, und was verliert man dabei? Die zunehmende Globalisierung und ...

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Theater heute Jahrbuch 2010
Rubrik: Stück des Jahres 2010, Seite 114
von Franz Wille

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