Ein Raum des Widerstands

Robert Borgmann wünscht sich mehr vom Weniger

Theater heute - Logo

Theater gibt es gar nicht, das Wort ist ein leerer Raum. Das Theater ist ein Ort, an welchem Menschen sich einfinden, um einer ritualisierten Handlung beizuwohnen. Eine Communitas sollte entstehen zwischen Publikum und Spielern, eine Gemeinschaft, die es nur im Theater geben kann und leider kaum je gibt heute. Da ich also an einem Ort arbeite, den es nicht gibt und der zudem seinen eigentlichen, also gemeinschaftsbildenden Sinn verloren hat, habe ich ein Problem – als jemand, der seine Theaterarbeit im Rahmen dieses gemeinsamen, 3.000 Jahre alten existierenden Versuchs versteht.

Dieser Raum existiert, um sich als Mensch darin wiederzufinden und dieses eigenartig-amorphe Tier neu zu erfinden. Auch dafür, um dem Sonstso der so genannten Realität etwas Schönheit abzutrotzen, Klarheit, Konzentration zu finden für die Erforschung des Problems unserer Anwesenheit hier auf der Welt. Das könnte Theater sein. Aber leider …

Ist das Theater eine Art digitales Monstrum geworden, in dem das eigentlich gar nicht funktioniert. Insofern ist es wiederum Repräsentation der Welt, die es repräsentieren soll. Sagt wer? Wenn das Theater diese Welt repräsentieren soll, dann bin ich raus. Ich will ein ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2014
Rubrik: Reale Utopien, Seite 118
von Robert Borgmann

Weitere Beiträge
Unverschämt hoffnungsvoll

Quiara Alegria Hudes hat mit «Water by the Spoonful» ein well-made play geschrieben, das die reale mit der virtuellen Welt verbindet. Wie viele amerikanische Stücke handelt auch dieses von einer Familie und deren vielen kleinen Dramen, die langsam nacheinander aufgedeckt werden. Besonders wird das dadurch, dass die Familiengeschichte um eine virtuelle zweite...

Geknickte Schatten

Schuhe aus Beton muss Fandra Fatale tragen, damit sie nicht den Boden unter den Füßen verliert und endlich ihr Leben meistern kann. Albert Wegelin erinnert an Hermann Melvilles Bartleby und sein «Ich möchte lieber nicht» und wird doch ohne sein Zutun plötzlich ein mutiger Wut-Bürger. Der fette Karl Klotz ist in eine schwerelose Seiltänzerin verliebt. Herr...

Innehalten!

Liebe Freunde der zeitgenössischen Dramatik,

erlauben Sie mir, dass ich wie jeder hilflose Redner, der seine Zuhörer später mit ein paar ernsten Thesen langweilen muss, mit einem Witz beginne. Eine Mutter fragt ihren kleinen Sohn, was er sich zum Geburtstag wünscht. Die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen: «Ich hätte gerne ein o.b.!» Die Mutter sieht den...