Ein fürsorglicher Herbergsvater

Helmut Mooshammer erinnert sich an die Proben mit Einar Schleef zur Düsseldorfer «Salome»

Theater heute - Logo

Der Meister lud zur Bauprobe – ein Vorgang, bei dem Schauspieler kaum vonnöten sind; es geht um technische Dinge, Sicht­linien und dergleichen, ein erstes Kennenlernen der baulichen Begebenheiten eines Bühnenbildes. Doch diesmal war alles anders, und so sollte es den gesamten Produktionsprozess über bleiben.
 

An der Brandmauer, ganz hinten in diesem riesigen Bühnenhaus, stand ein mir bis dahin noch nicht bekannter Schauspieler, nackt.
 

«Herr Dings, stellen sie sich neben ihn, verführen sie Herrn X.

»
 

Ich, verständlicherweise sehr irritiert, stellte mich erst vor, um dann dem Kollegen im direkten Anschluss halbherzig an die Brust zu fassen, eine Entschuldigung stammelnd. 
 

Immer wieder neue Lichtstände, meterlange Seidenbahnen werden durch den Raum gezogen, Arrangements werden ausprobiert, schon ist man Teil eines ungeheuren Gestaltungswillens.
 

Wenige Tage danach ein Brief mit handgezeichneten Skizzen des Meisters von seinen Probeneindrücken, dazu eine Zeile: «Bitte bleiben Sie dabei, mit herz­lichem Gruß.»
 

Was für ein Geschenk, man war gemeint. Monate später dann eine vorher nie erlebte Probenintensität, einerseits der unbedingte Wille, eine Vision ästhetisch und inhaltlich ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Januar 2010
Rubrik: Regiearbeit, Seite 19
von Helmut Mooshammer

Vergriffen
Weitere Beiträge
Zwischen Café Brecht und Lennon Park

In Havanna gibt es einiges, was es anderswo nicht gibt. Ein «Café Bertolt Brecht» zum Beispiel und den «Parque John Lennon», in dem man sich auf einer Bank neben einer Bronzeplastik des berühmtesten Beatle niederlassen kann. Der Ehrenplatz in Havanna wurde ihm wohl zuteil, weil die USA zeit seines Lebens eine Gefahr in ihm sahen. Wir lernen: In Kuba kann man schon...

Ein Sportstück

Eine Inszenierung von Hebbels «Nibelungen»-Trilogie, die keine drei Stunden dauert, ist 

selten. Die Fassung, die der österreichische Dramatiker und Regisseur Volker Schmidt für das Linzer Theater Phönix erstellt hat, ist aber nicht nur stark eingestrichen. Der Autor Schmidt hat Hebbels Verse zum Teil auch sprachlich bearbeitet, der Regisseur hat für das Stück ein...

Der prophetische Blick

Schwer zu sagen, ob es sich bei dem virtuellen Star, der da hingebungsvoll über die Bühne der Kaserne Basel rockt, eher um eine Raubkopie von Robbie Williams oder um einen Michael-Jackson-Reinkarnationsversuch handelt. In jedem Fall ist der elastische junge Mann nicht umsonst mit dem entsprechenden Namen «Chris Crocker» gestraft: Das Regie-Trio Victor Moser, Elia...