Der prophetische Blick
Schwer zu sagen, ob es sich bei dem virtuellen Star, der da hingebungsvoll über die Bühne der Kaserne Basel rockt, eher um eine Raubkopie von Robbie Williams oder um einen Michael-Jackson-Reinkarnationsversuch handelt. In jedem Fall ist der elastische junge Mann nicht umsonst mit dem entsprechenden Namen «Chris Crocker» gestraft: Das Regie-Trio Victor Moser, Elia Rediger und Fabian Chiquet bespiegelt in seiner internetkritischen Masterarbeit beim Basler Nachwuchsfestival «Treibstoff» den Warholschen 15-Minuten-Ruhm im Youtube-Zeitalter.
Um in der wilden Stilmixtur aus antiker Tragödie, Pop Art und Saturday Night Fever potenzielle Vorboten eines neuen Theatervokabulars zu entdecken, bedarf es schon eines sehr genauen, um nicht zu sagen: prophetischen Auges.
Die Kasernen-Chefin Carena Schlewitt hat es. Im Gespräch mit ihr entsteht schnell das Gefühl, einem der unzynischeren Menschen des Kulturbusiness gegenüber zu sitzen. Schlewitts professionelle Neugier ist dabei von einer komplett naivitätsfreien Art, und trotz allabendlichen Kulturkonsums sind keinerlei Scheuklappen erkennbar. Wenn sich «Chris Crockers» Ästhetik ausdifferenziere, sagt Schlewitt in der kaserneneigenen ...
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Martin Kusejs Wiener Inszenierung von Karl Schönherrs «Weibsteufel» war eine der erfolgreichsten Produktionen der Saison 2008/09. Die Aufführung wurde zum Theatertreffen eingeladen, das Ensemble wurde mit dem 3sat-Preis ausgezeichnet, Hauptdarstellerin Birgit Minichmayr in der Theater-heute-Umfrage zur «Schauspielerin des Jahres» gewählt.
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Sind die Frauen die «Guten» und die Männer die «Bösen»? Nach einer Vorstellung von Tom Lanoyes neuem Stück «Atropa» (ob die der deutschen Erstaufführung in Nürnberg oder die unmittelbar darauffolgende im Theater Konstanz) ist man nicht ganz abgeneigt zu sagen, dass es sich der Autor vielleicht doch etwas zu einfach gedacht und gemacht hat. Den Ur-Mythos von «der...
