Ein deutscher Klassiker
Richard Herzinger hat sich durch die jüngste Marx-Renaissance als Abwehrkämpfer herausgefordert gefühlt und in seinem Essay «Marx oder Murx?» (TH 3/09) auf Widersprüche in den Analysen und Irrtümer in den Prognosen von Marx hingewiesen.
Er jedenfalls sieht nicht den geringsten sachlichen Anlass für eine Marx-Renaissance, von der er annimmt, dass sie sich in steigenden Verkaufszahlen der MEW-Bände 23 bis 25 oder in der fast zehnstündigen DVD Alexander Kluges über «Das Kapital» zeige.
Unschwer hätten sich weitere Indikatoren für ein erneutes Interesse an Marx ausmachen lassen, unter anderem der Umstand, dass der katholische Erzbischof von München und Freising Reinhard Marx seine Darlegungen zur katholischen Soziallehre als probate Antwort auf die jüngste Finanz- und Wirtschaftskrise ebenfalls unter dem Titel «Das Kapital» erscheinen ließ. Der Pattloch-Verlag hat dieses Buch in Aufmachung und Ausstattung dem Erscheinungsbild der Marx-Engels-Werke so weit angenähert, dass man schon genauer hinschauen musste, um den Unterschied zu erkennen. Marx sells – könnte man meinen.
Warnung vor dem Henker
Mehr als die Resteverwertung des Dietz Verlags und Alexander Kluges späte Realisierung ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute August/September 2009
Rubrik: Debatte: Marx oder Murks, Seite 59
von Herfried Münkler
Als glotzäugiger Mädchenschlitzer Schrott mit den süßen «Igeln» hat Gert Fröbe 1958 für Generationen von Fernsehzuschauern den Prototyp des Mitschnackers verkörpert. Die Verfilmung eines Dürrenmatt-Drehbuchs unter dem Titel «Es geschah am hellichten Tag» bot mit Fröbe und seinem Gegenspieler Heinz Rühmann zwei einprägsame Modelle für kranke Zielstrebigkeit unter...
Professor Laub wäre wohl nie in Berührung mit kanaksprachlichen Jugendlichen gekommen, hätte sein mit allen Mitteln der häuslichen Brutpflege wattierter Sohn Felix nicht bei türkischen Jugendlichen Freundschaft gesucht. Eines Tages allerdings klaut Freund Can ihm die neuen Schuhe, was wiederum den Professor auf den Plan ruft, der mit seiner Intervention bei Cans...
Unter den drei Großstädten Sachsens gilt Chemnitz mit wenig mehr als 250.000 Einwohnern noch immer als Aschenputtel. Wahrscheinlich leidet die Stadt noch immer unter dem Nachhall jener leidigen Umbenennung im Jahre 1953, die ihr nicht nur den «Ehrennamen» Karl Marx, sondern auch den Spott der Mitwelt einbrachte, die sich höchstens auf ein schnoddriges «Kalle...
