Dr. Stockmanns Erben
Was wäre, wenn sich der als «Volksfeind» geächtete Dr. Stockmann durchgesetzt hätte? Wie sähe ein Staat aus, in dem Platons Ideal der menschlichen Auslese konsequent umgesetzt würde? Robert Schusters Bremer Inszenierung, die sich im Untertitel «Ein Ritus der Erinnerung» nennt, zeigt Ibsens Anti-Demokratie-Farce als Blick zurück aus einer fernen Zukunft.
Während ein «Chor der Wächter» auf einem weißen Treppenhalbrund (Bühne und Kostüm: Sascha Gross) zu den «Stockmannfestspielen 2072» noch einmal die Geschichte des aufrechten Badearztes erzählt, fläzen sich dessen greise Kinder (Gabriele Möller-Lukasz, Siegfried W. Maschek, Gerhard Palder) in drei Show-Sesseln und gucken interessiert zu.
Dazu gibt es Platon-Zitate im Stockmann-Chor, mal gesungen, mal gesprochen: Ibsen als Science-Fiction-Aufstellung.
Ziemlich viel Überbau für einen Text, dessen Aktualität sich in Zeiten von Stuttgart 21, Atomausstieg und immer lauter werdenden Forderungen nach mehr direkter, ungefilterter Demokratie geradezu aufdrängt. Stockmann (Glenn Goltz), zunächst nur in weißer Unterhose, später mit Hemd und Arztkittel, ist die einzig mitfühlenswerte Figur in diesem Irrenhaus, an seiner Seite nur eine Ehefrau ...
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Theater heute Oktober 2011
Rubrik: Theater Bremen, Seite 50
von Alexander Kohlmann
Sonntag, 2.
10.00, arte: Der Hässliche – von Marius von Mayenburg, mit Frédéric Cherboeuf, Delphine Cogniard u.a., Regie Denis Caiozzi. Aufzeichnung aus dem Théâtre de Grenoble (2011)
Montag, 3.
13.05, arte: Max Frisch, Citoyen – französischer Dokumentarfilm (2008) von Matthias von Gunten
16.15, arte: Marcel Reich-Ranicki: Mein Leben – Fernsehfilm (2009) von Michael...
Der berühmte Baum, den Samuel Beckett in der ersten Regieanweisung für «Warten auf Godot» einführt, ist in Thomas Dannemanns Kölner Inszenierung auf bedeutungsvolle Weise abwesend. Wenn sich Estragon (Jan-Peter Kampwirth) zu vorgerückter Stunde an diesem Baum aufhängen will, muss Wladimir (Michael Wittenborn) selbigen mit angewinkeltem Bein und verkreuzten Armen...
Was haben Städte gemeinsam, und worin unterscheiden sich ihre gleichen Einrichtungen? Fabriken, Bibliotheken, Einkaufszentren, Bahnhöfe, Hotels gelten als Knotenpunkte urbanen Lebens. Letztes Jahr im Herbst startete das auf vier Städte angelegte Projekt in Berlin, es folgten Buenos Aires und Warschau, schließlich Zürich. Es dürfte kaum reguläre Zuschauer gegeben...
