Diese Christenwelt
Was ist das für ein Venedig hier in Bremen? Antisemitische Karikaturen prangen kreideweiß auf der aschfahlen Bühnenrückwand. Der Raum (von Heinz Hauser) ist leer bis auf ein paar gelbe Papierbahnen, die später in Pogromhatzen zerfetzt werden. Auf Stühlen zu beiden Seiten sitzt die Finanzwelt der Lagunenstadt: die Juden in bedrückendem Schwarz; die Venezianer bunter, mit gegelten Haaren; ein bisschen neureich sehen sie aus, ein bisschen prollig. Ihre formlos großen Sakkos und ihr aufgesetzter Machismo erinnern an Osteuropa in den Nachwendejahren.
Ist das ein Venedig an der Peripherie oder ein Venedig der Vorstädte, wo sich Sündenbockfantasien noch antisemitisch austoben können? Zum Auftakt wird der Jude Tubal zusammengeschlagen – am helllichten Tag, auf helllichter Bühne. «Es ist nichts; es ist okay.» Man spuckt vor den Juden aus und spannt sie anderntags für Geldgeschäfte ein.
Inmitten dieses Treibens befindet sich der Kaufmann Antonio, dem vermutlich ein Gebrauchtwagenhandel zu einigem Vermögen verholfen hat. Ein tragischer Außenseiter, wie ihn Regisseur David Mouchtar-Samorai im Programmheft verspricht, ist er nicht. Von seiner Männerliebe zu Bassanio, dem er mit Kredit und ...
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Nachdem bereits im Vorfeld der WM deutsche Autoren scharenweise durchs bunt zusammengebastelte Fifa-Kulturprogramm geschleust worden waren – zumindest diejenigen, die sich nicht rechtzeitig durch ein kategorisches Nein aus der Schusslinie gebracht hatten –, war mit Überraschungen auf diesem Feld eigentlich nicht mehr zu rechnen. Umso dankbarer ist man den...
Bei «Margot und Hannelore» war es ein vertracktes Wechselspiel um verlorene Identitäten auf der wackligen Grundlage einer kaum bewältigten und moralisch schwer kontaminierten Historie; bei «Wir im Finale» wurde dann schon das letzte noch auffindbare Quäntchen Selbstbewusstsein durch kollektives «Tooor»-Gebrülle hochgepuscht, und auf der La-Ola-Welle schwappte eine...
Bochum, ich häng an dir.» Das geht immer noch tief rein ins Ruhr-Gemüt. Mit dem Grönemeyer-Song punktet jeder an der Königsallee in ehemals «4630 Bochum». Fünf Intendanzen ist es her, dass der Sänger des Liedes, das es da noch nicht gab, am Bochumer Schauspielhaus engagiert war. Drei Jahrzehnte später, an einem Abend im Mai 2006, steht ein anderer...
