1:0 für Beckett
Nachdem bereits im Vorfeld der WM deutsche Autoren scharenweise durchs bunt zusammengebastelte Fifa-Kulturprogramm geschleust worden waren – zumindest diejenigen, die sich nicht rechtzeitig durch ein kategorisches Nein aus der Schusslinie gebracht hatten –, war mit Überraschungen auf diesem Feld eigentlich nicht mehr zu rechnen.
Umso dankbarer ist man den Veranstaltern der Mülheimer Theatertage, Dichter und Dramatiker nicht ein weiteres Mal zu holprigen Hymnen auf König Fußball verdonnert, sondern umgekehrt die WM-Euphorie zum Anlass für ein Autorentreffen ganz anderer Art genommen zu haben: In Rekordzeit wurde aus allen 32 Teilnehmerländern jeweils ein literarisch qualifizierter Kandidat eingeladen, um nicht so sehr den Stolz seiner Nation, sondern in erster Linie das eigene Werk und gegebenenfalls eine persönliche Sicht auf die Theatersituation in seinem Land zu präsentieren.
Schon beim Eröffnungsdefilee mit Lieblingsmusikstücken offenbarten sich beiläufig die erstaunlichsten Nebenbegabungen: So übersetzt Andreu Carandell Gottschewsky aus Barce-lona nicht nur Ödön von Horváth und Thomas Bernhard ins Katalanische, sondern legt als gelernter Tänzer und Choreograf selbst in ...
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Der Name klingt holprig und ist zudem schief. «Bühnenbild» – eines jener deutschen Doppelworte, das zwei Begriffe, die nicht so recht zusammenpassen, schamlos hintereinanderhängt in der Hoffnung, dass die dadurch erreichte Verwirrung ausreicht, von unangenehmen Nachfragen abzuhalten. Mit Bildern jedenfalls hat das, was auf den interessanteren deutschen Bühnen neben...
Periodische Zikaden sind Insekten mit einem perfekten Timing. Sie schlüpfen alle am selben Tag, die männlichen Vertreter erzeugen dann ein paar Tage höllischen Krach, dabei begattet man sich, die Weibchen legen Eier, und danach stirbt die gesamte Population schlagartig und kollektiv und stellt die Stadtreinigung vor erhebliche, unappetitliche Probleme. Das wirklich...
Theater sind raumfressende Monster mit stetigem Ausbreitungsdrang. Notorisch leiden die Häuser, vielleicht mit Ausnahme der Opéra de la Bastille in Paris, unter permanenter Raumnot. In Bremen, wo sich das Mehrspartentheater am Goetheplatz in einem allzu engen Gehäuse zurechtrütteln musste, ist die Dramaturgie in besonderem Maße auf logistische Improvisationskünste...
