Die Zerstörung der Bilder
Liebe ist eine bestimmte Art von Angewiesensein, mein sonderbarer Herr.» Mit diesem Anfang hatte die Autorin mich, einen männlichen Leser, für sich eingenommen. Eine diskretere Liebeserklärung war kaum vorstellbar, und ich folgte, wenn auch erst im dritten Anlauf, durch ihren Sprachstrom. Meine Hoffnung, nicht jeden Strudel, nicht jede steile Kurve zum Verlassen des Textes zu nutzen, wurde erfüllt.
Aus früheren Nicht-Lektüren Jelinekscher Theatertexte waren mir ein paar Regeln erinnerlich. Die Autorin nutzt ihr Talent zum «deliranten Sprechen» professionell und obsessiv.
Ihre Sätze folgen einander wie eilige Gedanken, die den Zug der Geschichte nicht verpassen wollen. Dass sie dabei in Unordnung geraten und einander in der Reihenfolge vertauschen, ist nur natürlich. Klangliche Ähnlichkeiten stehen gleichberechtigt als Ursache von Folgesätzen neben Tippfehlern, die gleich als ungeahnte Bedeutungsmöglichkeiten vermerkt werden. Assoziationen opaker und kalauernder Natur wechseln sich ab, und sucht man einen Ansprechpartner, der gemeint sein könnte, so findet man ihn meist im vorhergehenden Satz. Die Derridadasche Nichtung spielt sich frei nach dem Muster: Ich schreibe einen ersten ...
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The history of my family started with my birth», sagt Savyon Liebrecht, «ich weiß nicht, wer meine Großeltern, meine Onkel, meine Tanten waren, meine Eltern haben nie ein Wort darüber verloren.» Zürich, Café Odeon. Wir sitzen an der Bar. Gut hundert Meter weiter schimmert der See, knapp hundert Jahre früher tranken Lenin, die Dadaisten und die künftige Crème de la...
Wen wundert es, dass 22 Jahre nach «Die Unvernünftigen sterben aus» das neue Handke-Stück den Titel «Spuren der Verirrten» trägt. Etwas erinnert das Stück an das 15 Jahre zuvor entstandene Schauspiel «Die Stunde da wir nichts voneinander wussten». Damals ein Schauspiel im Wortsinn, denn es ist ein wortloses, also stummes Spiel, in dem ein Platz den Mittelpunkt der...
Das Jahr 2005 war für Lukas Bärfuss in mancherlei Hinsicht ein bedeutendes Jahr: Er wurde Vater, wurde mit seinem Stück «Der Bus (Das Zeug einer Heiligen)» zum Dramatiker des Jahres gewählt und mit einem früheren, «Die sexuellen Neurosen unserer Eltern», in siebzehn Sprachen übersetzt. Gerade deshalb hat er bei der Arbeit an seinem aktuellen Stück »Die Probe» das...
