Die sichere Bank gibt es nicht
Mehr als drei Dutzend Stücke hat Lutz Hübner in den letzten 18 Jahren geschrieben, er war damit beim Theatertreffen (2005 mit «Hotel Paraiso») und bei den Mülheimer Theatertagen. Vor allem aber und anders als die Mehrzahl der in Mülheim Geehrten: Er wird nachgespielt, eine sichere Bank in der Mischkalkulation aus U und E, um die kein Theater heute mehr herumkommt. Hübner, 1964 in Heilbronn geboren, war Schauspieler, bevor er zum meistgespielten lebenden deutschsprachigen Stückeschreiber wurde.
Auch die Französin Yasmina Reza, Jahrgang 1958, die seit «KUNST» 1994 weltweit meistgespielte Autorin, war Schauspielerin, und diese Vorbildung mag etwas zu tun haben mit dem Wirkungsbewusstsein, das beide zweifellos an den Tag legen.
Und sonst? Gibt es vielleicht so etwas wie einen gemeinsamen Nenner, aus dem sich die Erfolgsformel ableiten ließe, mit der zeitgenössische Dramatiker die Häuser voll und die Butter aufs Brot bekommen können? Anfang Oktober konnte man sich dieser Frage im Doppelpack zuwenden: Innerhalb einer Woche gab es eine Reza- und eine Hübner-Uraufführung in Berlin und in Dresden.
Vertan mit «Was tun»
Das Stück, das Lutz Hübner für das Schauspiel Dresden geschrieben hat, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Dezember 2012
Rubrik: Neue Stücke, Seite 27
von Barbara Burckhardt
Der Baum ragt mächtig in die Höhe. Er muss ein biblisches Alter haben. Um den Stamm schlängeln sich Luftwurzeln über den Boden, schenkeldick, fantastisch verknotet, voller Fußangeln. Muriel Gerstners Bühnenbild im Schauspielhaus Zürich ist wie für den Sündenfall geschaffen.
Gefühlsverwirrung, Geschlechterverwirrung, Identitätsverwirrung – das ist das Knäuel, aus...
Die Familie als Nährboden von Zwang, Gewalt, Missbrauch. An diesem Abend präsentiert sich die soziale Institution gleich zweimal von ihrer schlimmsten Seite. Da ist zunächst die Bauernfamilie Staller, die nebst Knecht das quadratische Podest einnimmt, das Bühnenbildner Oliver Helf auf der großen Bühne der Nord-Spielstätte des Stuttgarter Schauspielhauses aufgebaut...
«Shakespeare. Spiele für Mörder, Opfer und Sonstige» nennt Dimiter Gotscheff seine neueste Inszenierung. Mörder und Opfer bei Shakespeare sind bekanntlich ein weites Feld – aber Sonstige? Mal sehen, hoffentlich nicht unter Sonstiges.
Wenn Thomas Schmauser auf der Bühne von 1 bis 52 zählt (derzeit an den Münchner Kammerspielen in «Gesäubert» von Sarah Kane),...
