Fallobst für Verliebte

Zürich Schauspielhaus, Pfauen: Shakespeare «Wie es euch gefällt»

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Der Baum ragt mächtig in die Höhe. Er muss ein biblisches Alter haben. Um den Stamm schlängeln sich Luftwurzeln über den Boden, schenkeldick, fantastisch verknotet, voller Fußangeln. Muriel Gerstners Bühnenbild im Schauspielhaus Zürich ist wie für den Sündenfall geschaffen.

Gefühlsverwirrung, Geschlechterverwirrung, Iden­titätsverwirrung – das ist das Knäuel, aus dem Shakespeares «Wie es euch gefällt» gestrickt ist. Am Ende der Kreuz- und Queer-Exzesse auch noch vierfache Hochzeit. Ein Regisseur muss prüfen, was das Geschehen im Wald von Arden mit dem Garten Eden zu tun hat.

Und wie viel mit Romantik. Er kann seinem Publikum süßes Gift reichen oder schwarze Schokolade. Sebastian Nübling hat sich in Zürich für Edelbitter entschieden.

Der Apfel, die Versuchung. Beides wird gierig verschlungen in dieser Inszenierung. Schon Ludwig Boettgers alter Diener Adam versprüht mit Tutu und Blumenkranz auf der Glatze nicht den Eindruck, er wolle je von Frucht und Fleisch lassen. Seine Herren, Oliver und Orlando, springen sich ohne Verzug beim ersten Auftritt an die Gurgel. Kainsbrüder, klar doch.

Der Ältere, Milian Zerzawys Oliver, besitzt die kriminelle Energie. Orlando (Christian Baumbach) ...

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Theater heute Dezember 2012
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Stephan Reuter

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