Die politische Frage
Franz Wille Wie wollen wir arbeiten? – Was für eine dumme Frage. Wir wollen alle selbstbestimmt arbeiten, nicht entfremdet arbeiten; wir wollen Zeit haben, um uns interessante Produktionen auszudenken; wir wollen auf die Proben gehen können; neue Formate entwickeln. Wie wir arbeiten wollen, wissen wir alle, nur leider haben sich Wunschbild und Realität im deutschen Theater in den letzten 20 Jahren deutlich auseinander entwickelt.
Wir befinden uns immer stärker im Spagat zwischen künstlerischem Wollen und ökonomischer Situation, was Kompromisse erzwingt und künstlerische Arbeit immer stärker eingrenzt. Herr Bolwin, Sie sind Direktor des Deutschen Bühnenvereins und der Mann mit dem großen Überblick. In einem «Theater heute»-Gespräch haben Sie unlängst gesagt, dass «eine der wesentlichsten Erkenntnisse der letzten anderthalb Jahrzehnte sei, dass unser Theatersystem nicht statisch ist, sondern es habe sich grundlegend verändert und werde das auch weiterhin tun». Können Sie uns diese Veränderungen der letzten zehn, zwanzig Jahre kurz umreißen?
Rolf Bolwin Das ist gar nicht so einfach. Wenn man sich ansieht, was in den letzten 20 Jahren passiert ist, und ich prophezeie, dass es auch in ...
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Theater heute April 2014
Rubrik: Debatte Kulturpolitik, Seite 4
von
So ein schönes Land. Steile Berge, stille Seen, stolze Städte, stabiler Wohlstand. Als Dreingabe: direkte Demokratie. Das war einmal die Schweiz-Idylle, von außen betrachtet.
Von innen betrachtet, sieht die Schweiz weniger paradiesisch aus. Schon der aufgeklärte Berner Dichter Albrecht von Haller (1708–1777) ahnte, in seinem Heimatgärtlein könnten...
Klytämnestra ist nicht aufgewühlt, sondern «hibbelig», Orest nicht verstört, sondern «total abgefuckt», der Mutter-Mord ein dummer Jungen-Streich, Elektra ein «Problemkind», die – ausgerüstet mit Dildo – mit Ägisth schläft, und die an ALS erkrankte Iphigenie ein akuter Fall für die Sterbehilfe (wer könnte dem guten, halb aktiv, halb passiv beteiligten Vater...
Matthias Schweiger ist ein mächtiger Mann von beinahe Qualtingerschen Dimensionen, nicht nur äußerlich. Wer sich mit seiner Statur das Autoren-Pseudonym «Ferdinand Schmalz» gönnt und sein erstes Stück «am beispiel der butter» nennt, beweist reichlich Souveränität. Und Charme. Um es mit Andreas Beck, dem Wiener Schauspielhaus-Leiter und ehemaligen Arbeitgeber von...
