Die Meinungskämpfer
Und auf einmal bricht die Inszenierung auf. Auf einmal sind die Rollen nicht mehr eindeutig verteilt in Milo Raus «Moskauer Prozessen», dem Reenactment dreier Gerichtsverhandlungen der reaktionär-religiösen russischen Staatsmacht gegen ein liberales, provokatives Kunstverständnis. Erst tauchen Sicherheitskräfte am Performanceort auf, sie kontrollieren die Arbeitsgenehmigungen des Schweizers Rau und seines Teams – das ist Schikane, bei Licht betrachtet. Kurz darauf bedrängen «Kosaken», ultraorthodoxe Krawallmacher, die Produktion.
Und jedesmal bekommt Rau Beistand von dem rechtskonservativen Publizisten Maxim Schewtschenko, der in den «Moskauer Prozessen» eigentlich die Rolle des Anklägers spielt: für ein gottesfürchtiges, nationalistisches Russentum, gegen «westlichen» Liberalismus. Schewtschenko unterstützt Rau, und hier beginnen die Probleme.
«Die Moskauer Prozesse», das sind drei Gerichtsprozesse, die Rau vergangenes Jahr im Sacharow-Zentrum der russischen Hauptstadt nachstellte: gegen die Organisatoren der Ausstellungen «Vorsicht! Religion» (2003) und «Verbotene Kunst» (2006) sowie gegen die Punkband Pussy Riot, die vor zwei Jahren eine Mischung aus Polithappening und ...
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Theater heute März 2014
Rubrik: Magazin: Film, Seite 68
von Falk Schreiber
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