Die List des Modernisten
Schnell wird es dunkler auf der Bühne. Der an Schienen hochgezogene weiße Tanzboden, der die Bühne rahmt und in einen White Cube von museumsartigem Zuschnitt verwandelt, verliert seine gleißende Wirkung und wird matt. Tänzer und Tänzerinnen in knöchellangen weiten, schwarzen Musselinröcken postieren sich vor der Rückwand, als seien sie einem barocken Gemälde von Velazquez entsprungen. Eine Videoprojektion taucht die Wand in ein tiefes Blau, ein Himmel in der Dämmerstunde, bevor die Welt im Dunkel versinkt. Von der rechten Seite fliegt ein Flugzeug ins Bild.
Ein Kampfjet im Kriegseinsatz schießt über den Himmel und wird plötzlich langsamer, das Bild scheint einzufrieren, es ruckt und stockt, läuft rückwärts, bis die breiten Flügel des Flugzeugs aussehen wie die riesigen Schwingen eines Raubvogels, der auf der Suche nach Beute langsam am Himmel seine Kreise zieht. «Flow my tears», fließt, meine Tränen, stimmt eine herzzerreißende Stimme das Lied des englischen Renaissancemusikers John Dowland an. Acht Tänzer und Tänzerinnen greifen dazu zu den Pistolen, formieren sich zu vier Duetten und ergehen sich in klassischen Schritt- und Hebekombinationen.
VA Wölfl, Kopf der Kompanie NEUER ...
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Wissen Sie, was Staaten und Frauen gemeinsam haben? – Mit Frauen zu leben ist sehr schwer, ohne sie aber auch. Und mit den Staaten ist es genauso.» Als Slavoj Zizek die Schwierigkeiten einer überstaatlich gedachten kommunistischen Weltordnung auf ihren erkenntnistheoretischen Punkt brachte, wirkte das altherrliche Berufslachen der Genossen am Podiumsstammtisch...
Idealtypischer könnte so ein Tag in Wiesbaden kaum enden. Da kommt man von einem spätnachmittäglichen Ausflug von der russisch-orthodoxen Kapelle auf den begrünten Hängen des Nerobergs zurück zum alten Kurzentrum mit seiner klassizistischen Spielbank, in der schon Fjodor Dostojewski den einen oder anderen Rubel verjubelte. Und gleich nebenan im Staatstheater geht...
Man konnte wirklich leicht auf den Bluff reinfallen, so routiniert herzlich klang im Vorwort zu ihrem Stück «Der große Blöff/Entfernte Kusinen» der Danksagungston Felicia Zellers an ihre «Kusine Deborah Schnabel, die mir im Sommer 2006 die Aufzeichnungen zum Großen Blöff so freimütig überlassen hat»: auf «dreizehn beidseitig beschrifteten Zetteln» ein Dramenentwurf...
