Die klärende Stimme

Zum Tod des Schauspielers Günter Lampe (1931–2006)

Theater heute - Logo

Zuletzt habe ich ihn vor einem guten Jahr gesehen, als fanatisch intoleranten Patriarchen in Lessings «Nathan der Weise» am Schauspiel Frankfurt. Erst saß er still auf einer Bank links über dem Abgrund, zu dem sich die Bühne geöffnet hatte. Als er drankam, ging er, von einer kostümierten Souffleuse begleitet, auf seinen Ex-Kathedra-Platz hinten über dem Abgrund, sprach den schrecklichen, erschreckenden Text des Eiferers mit zorniger, zetern­der Stimmgewalt, über die er immer noch gebot, und stellte mit schonungs­loser Klarheit die Unmenschlichkeit des Patriarchen bloß.


56 Jahre zuvor, 1949, gab der damals achtzehnjährige Günter Lampe sein Theaterdebut im hannoverschen Ballhof, strahlte er als Euphorion, Sohn Faustens und der Helena, in Faust II, Regie Alfred Noller: «Nun fort! / Nun dort / Eröffnet sich zum Ruhm die Bahn.» Und stürzte schwärmend in den Tod.

 

Coming out mit Arrabal

Die Schauspieler-Bahn Günter Lampes ging durch die Stadttheater: Flensburg, Freiburg, Münster, Augsburg, Essen – dort gab er 1964 den gegen den Papst rebellierenden Pater Riccardo in Hochhuths «Stellvertreter» –, ab 1967 Bochum, damals eine erste bundesrepublikanische Theateradresse. Niels-Peter Rudolph ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute März 2006
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Henning Rischbieter

Vergriffen
Weitere Beiträge
Sammlung Schlingensief

Die Führung beginnt beim «Führerdenkmal». Erinnert wird hier aber nicht an Adolf Hitler, sondern an Joseph Beuys. In dem kleinen Raum liegt ein riesiger Kopf, die vergrößerte Nachbildung der «Original-Totenmaske» des Künstlers. Eine Wand des Zimmers stellt die Berliner Mauer dar, es liegen Butterziegel drauf. Im weit aufgerisse­nen Mund des toten Beuys befindet...

Pietismus im Hypnose-Modus

Der ideelle Gesamtschwabe arbeitet gerne und viel, betet fromm und pflegt einen Drang zum Höheren. Da er dieses Höhere aber gut radikalprotestantisch in der innerweltlichen Pflichterfüllung sieht, geht das alles gut zusammen, und er arbeitet sich in spiritueller Fröhlichkeit den Arsch ab. Für diesen Zusammenhang aus Arbeit und Spiritualität, ja aus stumpfer,...

Lebenscoaching für alle

Dass es nicht mehr opportun ist, das künstlerische Genre der Fernsehserie gering zu schätzen – das spricht sich herum. Aber wenn die­ser noch vor wenigen Jahren eher belächelten Kunstform inzwischen sogar moralische Qualitäten nachgesagt werden, horcht man doch immer noch auf. Wie erst, wenn das Ganze weltpolitische Maßstäbe annimmt!
Schenkt man der «taz» Glauben,...