Sammlung Schlingensief
Die Führung beginnt beim «Führerdenkmal». Erinnert wird hier aber nicht an Adolf Hitler, sondern an Joseph Beuys. In dem kleinen Raum liegt ein riesiger Kopf, die vergrößerte Nachbildung der «Original-Totenmaske» des Künstlers. Eine Wand des Zimmers stellt die Berliner Mauer dar, es liegen Butterziegel drauf. Im weit aufgerissenen Mund des toten Beuys befindet sich ein Videomonitor, auf dem ein im Zeitraffer verwesender Hase zu sehen ist. «Der Hase steht für die Erlösung», erklärt die junge Frau, die eine Gruppe ratloser Besucher durch die Installation führt.
«Sie kennen ja den Osterhasen.» Gut, aber was hat der Vogel Strauß zu bedeuten, der jetzt im Video zu sehen ist? «Dazu kommen wir noch.»
Wir befinden uns in der wahrscheinlich unkonventionellsten Inszenierung, die das Wiener Burgtheater in seiner langen Geschichte je gesehen hat. «Dagegen war ‹Bambiland› ein normaler Theaterabend», meinte der zuständige Dramaturg Joachim Lux im Vorfeld von Christoph Schlingensiefs aktueller Arbeit «Area 7», und das will was heißen: Schon die Uraufführung von Elfriede Jelineks «Bambiland», mit der Schlingensief im Dezember 2003 als Burgtheaterregisseur debütiert hatte, war alles andere als ...
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In seinem 1932 erschienenen Roman «Von drei Millionen drei» lässt Leonhard Frank («Links wo das Herz ist»), der «Gentleman» (Fritz Kortner) der deutschsprachigen Exil-Literatur, ein durch Hoffnungslosigkeit zusammengeschweißtes Freundes-Trio die Heimatstadt Würzburg und später das Land, in dem man «sicher nur zugrunde gehen kann», verlassen. Sie fliehen vor Armut...
Da steht ein junger Mann mit Bärtchen in einem kleinen Raum, der trotz seiner Transparenz – er ist aus dunklen Gazevorhängen gebildet – klaustrophobisch anmutet und als einziges Möbelstück einen schwarzen Stuhl enthält. Keinen Schrank. Der Mann mit Bärtchen heißt Wolf. Er raucht. Er trägt einen konservativen Anzug, eine dezent gestreifte Krawatte und einen...
I love you»: Mit rotem Herzen und entsprechendem Bekenntnis erstrahlte das weiße Kapuzenshirt von Rainald Goetz, als er jüngst in der Berliner Akademie der Künste am Pariser Platz einem Seelenverwandten seine Reverenz erwies. Es war ein glücklicher Einfall, den «schlaflosesten Zeitgenossen der pubertierenden Berliner Republik» (so kürzlich Gustav Seibt in der...
