Die Gestrandeten der Geschichte
Es schwimmt eine Barke in Richtung Europa. Auf ihr: ein Berg Leichen und ein Überlebender mit dem sonderbaren Namen Erdonidus Amandéü (Mathieu Montanier). Ein halbnackter, hagerer Mann im langen Hosenrock, ein Verlorener zwischen den Welten. Er ist auf der Flucht. Und er hat Schiffbruch erlitten. Wie Tausende andere vor ihm –beispielsweise das französische Kolonialschiff «Méduse», das Anfang des 19. Jahrhunderts vor dem Senegal auf Grund lief. Seine Besatzung rettete sich auf ein viel zu kleines Floß, trieb auf dem Meer und verspeiste sich gegenseitig.
Der Rest ist Kunstgeschichte: 1818/19 malte Théodore Géricault das berühmte Gemälde «Floß der Medusa».
Große Wanderbewegungen
Der kongolesische Autor, Regisseur und Schauspieler Dieudonné Niangouna, ein hochbegabter Tausendsassa, der zwischen Brazzaville und Paris pendelt, und der sein Theater einst erfand, um der Waffengewalt des Bürgerkriegs im Kongo etwas entgegenzusetzen, erzählt in seinem neuen Stück «Nkenguégi» Migrationsgeschichten. Beim Festival «Afropean Mimicry and Mockery» am Frankfurter Künstlerhaus Mousonturm zeigte er es – nach seiner Uraufführung in Lausanne – erstmals in Deutschland. Mit beiläufiger Virtuosität, ...
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Theater heute Februar 2017
Rubrik: Magazin, Seite 58
von Esther Boldt
Der neue west-östliche Divan steht vor einem Laptop. Dort, in einem pakistanischen Kellerloch, über dem amerikanische Drohnen kreisen und Bomben fallen, sitzt als Gefangener Nick Bright. Das Lösegeld für den Banker, das die muslimischen Brüder von dessen Citibank fordern, beträgt zehn Millionen Dollar. Bright, Ehemann und Vater eines kleinen Sohnes, erwartet...
Guter Wechsel» – mit dieser Ankündigung trat die national-konservative Partei «Recht und Gerechtigkeit», kurz PiS, im Herbst 2015 ihre Regierungszeit in Polen an. Wie sich dieser Wechsel gegenwärtig auf die Theaterlandschaft des Landes auswirkt, kann am deutlichsten am Beispiel des Teatr Polski in Wrocław (Breslau) beobachtet werden. Das Haus war in den letzten...
Menschen in eine Extremsituation zu packen und dann entspannt zuzuschauen, wie sie sich zerfleischen, ist ein Klassiker, von «Geschlossene Gesellschaft» bis «Dschungelcamp». Dramatiker Thomas Arzt wählt für sein Menschenexperiment «Der nackte Felsen» eine raue, lebensfeindliche Hochgebirgslandschaft nach dem Vorbild des Toten Gebirges, einem einsamen Felsplateau in...
