Die Generalin
Allüberall steht er auf dem Spielplan, Shakespeares venezianischer Mohr. Das Stück über die Eliminierung des Fremden passt scheinbar gut zur Aufregung um dänische Mohammed-Karikaturen, eine Regensburger Papstrede und, jüngst, zur LKA-Warnung, die in Berlin zur Absetzung der Oper «Idomeneo» führte. Die Angst, sich unbeliebt zu machen bei den gefährlichen muslimischen Brüdern, geht um. Erst die Angst, dann womöglich die Gegenwehr? Werden wir ein Volk von Jagos? Türken raus?
Ein Kurzschluss.
Othello ist bei näherer Betrachtung das genaue Gegenteil eines gewalttätigen Fremden – bestens assimiliert, ein Konvertit, der Karriere gemacht hat, der Colin Powell des Welttheaters. Jagos Vernichtungsfeldzug gegen seinen Vorgesetzten speist sich aus Rassismus so wenig wie aus Angst, sondern aus der blanken Lust eines Zurückgesetzten an der Intrige. Das politische Aktualisierungspotenzial des Stückes hält sich in Grenzen; Lars-Ole Walburg lässt sich in Hannover denn auch auf aktuelle Debatten kaum ein. Das Drama ist ihm Spielmaterial und sonst gar nichts.
Sein Spielmacher ist ein frei hinzuerfundener Engel. Jovial begrüßt der halbnackte fette junge Mann mit hüftlangem Strähnenhaar und weißen ...
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Jonathan Fischer, ein Mann in reifen Jahren, gespielt von Karl Kranzkowski, taucht eines heiteren Morgens in einem Gästehaus auf Sardinien auf. Er will seine Tochter kennenlernen, die er noch nie gesehen hat. Erstmal verliebt er sich aber in Annabella Silberstein (Hannelore Elsner), die beste Freundin von deren Mutter. Im Verlauf zweier sonnendurchfluteter Stunden...
Es geht los mit einer Diashow (Kinderurlaubsbilder an der Ostsee) über einem Plateau von etlichen Tischen mit Tischdecken von vor dreißig Jahren, entsprechende Musik dazu. Doch der Retro-Dreh (Ausstattung Tom Musch) hat seinen Haken. Nie weiß man in dieser Inszenierung, wo sie zeitlich verortet ist und wessen Erinnerungsimagination hier auf dem Spiel steht. «Hafen...
Am Anfang war die Idee. Keine besonders gute, wie sich im Nachhinein herausstellte. Aber das konnte das Team um den neuen Basler Schauspieldirektor Elias Perrig ja kaum ahnen. Es ging darum, die Saison im Jahr eins nach dem Abschied von Lars-Ole Walburgs – und zuvor Stefan Bachmanns – ruhmreichem Ensemble zu planen. Nichts kniffliger als das. Schließlich hatte sich...
