Die Ära Sicherheit

Angélika Liddell «Toter Hund in der Reinigung: die Starken»

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Ich schreibe aus Rache», bekennt die spanische Autorin, Regisseurin und Performerin Angélica Liddell. Aus Rache an ihrer Familie, dem Patriarchat, den Gewaltmechanismen der Gesellschaft. Medium dieser Rache sind Liddells inzwischen legendär gewordenen Hassmonologe, und ihre Waffe ist Liddells eigener Körper. Mit Impuls und Geschwindigkeit eines Maschinengewehrs exekutiert sie den Text auf der Bühne und schießt sämtliche stereotypen Vereinnahmungen des weiblichen Körpers über den Haufen.

Außerhalb Spaniens weitgehend unbemerkt blieb bislang dagegen ein spektakuläres Stück, das Liddell 2007 zur Uraufführung brachte: «Perro muerto en tintorería: los fuertes» – «Toter Hund in der Reinigung: die Starken». Grund des Vergessens: wiederum ein Hassmonolog, der das Stück eröffnet. Weniger eine Publikumsbeschimpfung denn eine Theaterbeschimpfung, eine Invektive gegen die Leitung des «Scheißnationaltheaters», an dem das Stück uraufgeführt wurde, traf er offenbar so ins Schwarze, dass die Direktion die künstlerisch überspitzte Botschaft als reale Attacke verstand und zur Strafe Gastspiele und weitere Vorstellungen weitgehend unterband. Es ist ein selbstbenannter «Akt der Koprolalie«, in dem ...

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Theater heute Jahrbuch 2016
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 169
von Florian Borchmeyer

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