Der Weg zum Kuratorenglück
Jede noch so verschmockte Theaterperformance muss »interaktiv« sein, muss ihre Zuschauer zu Akteuren machen, muss die Bedingungen ihrer Produktion und ihren Realitätsstatus reflektieren. Überhaupt wird im Theater – die analogste und deshalb gemäß der paradoxen postmodernen Vernunft zugleich konservativste und politischste Kunstform – wenig dem Zufall überlassen.
Nirgendwo, geneigte Leserin, verehrter Leser, ist das Doppeldenk des Spätkapitalismus stählerner als in den darstellenden Künsten! Man braucht nur ein durchschnittliches Spielzeitprogramm eines durchschnittlichen Stadttheaters oder freien Theaters zu lesen, um zu verzweifeln angesichts der dort verquirlten Mischung aus Traditionspflege und Feierabendrevolte, dieser hysterischen Bestätigung des Bestehenden. Wie bei einer Dogmatik üblich, ist die Zahl der möglichen Argumente beschränkt, für die Künstler selbst jedoch Anlass ewiger Debatten. Vom dekonstruierten Klassiker zum Dokumentarstück, vom Live-Computerspiel zum Stadtraumprojekt sind die für einen außenstehenden Beobachter irrelevanten ideologischen Unterschiede etwa so hart umkämpft wie die Abendmahlskonzeption innerhalb des spätrömischen Christentums.
Da aber die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute November 2013
Rubrik: Foyer, Seite 1
von Milo Rau, Buchauszug: Was tun. eine Kritik der Postmodernen Vernunft
Kaiserwetter am 28. September. Vorm Berliner Ensemble versammeln sich zu ungewohnt früher Stunde mehrere hundert Menschen, darunter viele Schauspieler, Politiker, Journalisten – Freunde und Verehrer von Otto Sander, der am 12. September verstarb. Polizisten wachen. Fotografen streunen. Zaungäste staunen.
Volles Haus, die mehr als 700 Plätze allesamt belegt: der...
Wenn Theater nicht an ihrem angestammten Ort spielen, dann hat das entweder mit Renovierungsarbeiten zu tun oder damit, dass Theatermacher glauben, für ihr Konzept eine andere, theaterfremde Umgebung zu brauchen. Site-specific lautet der schöne englische Fachbegriff für das temporäre Auswandern, das im Sommer gern im Freien ausgelebt wird. Das Landestheater...
Eine Woche lang trafen sich im Februar 1945 die drei Siegermächte, vertreten durch Roosevelt, Churchill und Stalin, im idyllischen Badeort Jalta an der Krim und teilten die Nachkriegswelt unter sich auf. Nebenbei beschlossen sie noch einen Angriffskrieg auf Japan sowie die Bombardierung Dresdens.
Mag es am Schwarzen Meer noch so sonnig gewesen sein, im Düsseldorfer...
