Der Starke pflanzt sich fort
«Gutes Viertel» nennt Rebekka Kricheldorf das Ambiente, in dem die Klemmers leben: Patriarch Fabian und sein guter Sohn, der Arzt Ingo mit seiner Psychotherapeutenfreundin Solveig. «Schlechtes Viertel» kommt nur per Fernsehen ins Wohnzimmer. Und in Gestalt von Raul, dem bösen Sohn, der sich vor Jahren aus dem «Mumienviertel» verabschiedet hat, um seinen Vorstellungen von echter, testosterongetriebener Männlichkeit im schlechten Viertel nachzugehen. Einst Legionär, jetzt Auftragskiller. Vater Fabian hat ihn zum Familiengespräch gebeten.
Es geht ums Erben, und der Patriarch hat erwartungsgemäß entschieden: Ingo kriegt alles und Raul den Pfifferling, den er seinem Vater nicht wert ist ...
Die Guten und die Schlechten, Vernunft und Trieb, V-Ausschnitt und Proll-Sonnenbrille: In sauber getrennten Welten beginnt Rebekka Kricheldorfs schwarze Wohnzimmer-Parabel, um sich die nächsten hundert Minuten in flotten Blankversen krachend komisch und alle political correctness sorglos vermeidend der Auflösung und Verwirrung jeder sauberen Zuordnung zu widmen. Shirin Khodadadian hat sich im tif des Staatstheaters Kassel von Ulrike Obermüller das Eichenfurnierwohnzimmer in einen barocken ...
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Theater heute Januar 2013
Rubrik: Chronik, Seite 51
von Barbara Burckhardt
Im Kaiserslauterer Pfalztheater gab es zu dieser Spielzeit einen Führungswechsel. Für den scheidenden Intendanten Johannes Reitmeier kam Urs Häberli. Der neue Schauspielchef heißt Harald Demmer und kündigt in seiner ersten Spielzeit als Spartenleiter Premieren wie Elfriede Jelineks «Winterreise» und direkt zum Auftakt Felicia Zellers «Kaspar Häuser Meer» an. Man...
Wenn es an diesem Abend tatsächlich um «Tilla» gegangen wäre, nämlich um die große Schauspielerin Tilla Durieux, dürfte man durchaus erbost sein. Sie gehörte zur Schauspieleravantgarde des 20. Jahrhunderts, hat in den 20er Jahren Piscators Experimentier-Volksbühne mitfinanziert und musste mit ihrem dritten Mann, dem jüdischen Kaufmann Ludwig Katzenellenbogen, 1933...
Die Liebenden sind austauschbar. (…) Die Reduktion der Person zum Liebespartner scheint mir das charakteristischste Merkmal dieses grausamen Traums zu sein. Und vielleicht das modernste Merkmal. Der Partner trägt keinen Namen mehr, er besitzt nicht mal mehr ein Gesicht. Er ist nur am nächsten.»
Seit Jan Kotts berühmt hellsichtiger «Sommernachtstraum»-Deutung aus...
