Der menschliche Verschleiß
Alles Große am neuen, zweiten Band der nachlässig dahingeplapperten autobiografischen Lebenssaga des Peter Zadek, mit dem wir den achtzigsten Geburtstag im Mai begehen werden, ist eigentlich völlig unerträglich. Das dürfte einem Künstler von Zadeks Format gefallen, schon weil es seinen gottgleichen Status festigt. Die Götter haben ihre Menschenkinder immer bestraft und belohnt zugleich, in einer wüsten, völlig undurchschaubaren und unberechenbaren Mischung aus Liebe und Hass.
Sie waren nie jenseits von Gut und Böse, sie waren gut und böse in besonders wüster, archaischer und gewalttätiger Ausfertigung. So auch der Herr Z. mit seiner zu großer Kunst gesteigerten Verantwortungslosigkeit und seiner Strategie der zum Genialischen geheiligten Verwahrlosung. Alles höchst zeitgebunden: Ohne es wirklich zu wollen, liefert das Buch fantastisches Material für die Entmystifizierung der westdeutschen siebziger Jahre, neben der Deutsche-als-Kriegsopfer-Debatte eines unserer aktuellen Modeprojekte. Aber auch ein wenig Re-Mystifizierung bietet sich an.
Es nervt der Aufmarsch der Weggefährten, denen in namentlich gekennzeichneten Absätzen je ein braves Anstandswauwau nachgebellt werden muss und zu ...
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Die Welt ist voller Missverständnisse. Ein halbes Dutzend droht allein schon, wenn man nur erklären will, wovon Carles Batlles eigentlich ganz einfaches Drei-Personen-Stück «Versuchung» handelt. Es spielt in der Wohnung des jungen katalanischen Antiquitätenhändlers Guillem, der seinen Wohlstand durch Schiebergeschäfte mit illegalen Einwanderern aus Marokko...
Von Ratten keine Spur. Alles sauber aufgeräumt auf diesem bühnenweiten Dachboden (Henrike Engel) mit ein paar ordentlichen Kostümhängern unter der neonbeleuchteten Schräge, einigen Kleiderpuppen und der akkuraten Stuhlreihe im Hintergrund, auf der das Ensemble Platz genommen hat und von wo es wie auf der Probe ins Stück springt.
Hauptmanns Stück liest sich heute...
Camouflage. Na, Liebchen, «Die Position der Kritik», das jetzt von «Theater heute» war doch immer auch Dein Problem, wenn Du mitgefahren bist, und gereist bist Du ja für Dein Leben gern, war Deine Frage nach wieder mal einem Abend in so einem Theaterhaus, irgendwo zwischen Hamburg und Wien, Berlin und Oldenburg (doch, Lob den Provinzen, in den Radfahrerstädten...
