Der große und der kleine Tod
«Die Nikon D 300 S», wendet sich Nathan (Robin Sondermann) ans Publikum, «liegt mit Akku und Speicherkarte bei 870 Gramm.» In Sondermanns Stimme liegt ein leichtes Zittern, liebevoll, begehrend, hastig: «Der Handgriff der Nikon D 300 S ist extrem ergonomisch ausgeformt.
» Aus zwei Gründen ist es eine kluge Entscheidung, diese halbmasturbatorische Liebeserklärung an einen Fotoapparat an den Beginn der Dramatisierung von «Verzehrt», dem voriges Jahr erschienenen Debütroman des kanadischen Kinoregisseurs David Cronenberg, zu stellen: Einerseits versteht man sofort, dass das Verlangen Nathans objektfixiert ist. Und andererseits ist damit die Bedeutung von Bildern gesetzt: Nathan und seine Freundin Naomi (Annemaaike Bakker) sind Fotojournalisten, die erzählen jede Geschichte primär übers Bild. Und begehren Kameras.
Allerdings verweigert Uraufführungsregisseur Felix Rothenhäusler am Theater Bremen ausgerechnet Bilder ziemlich lange. Naomi recherchiert an einem Kriminalfall (Philosoph Aristide soll seine Frau getötet und teilweise verspeist haben), während Nathan eine schwer unseriös wirkende Krebsoperation fotografiert und sich im Anschluss bei der moribunden Patientin eine ausgerottet ...
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Theater heute November 2015
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Falk Schreiber
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