Denken und Schreiben, Schreiben und Denken
Irgendetwas fehlt. Warum Herr Hering immer noch am Tisch sitzt, ist ihm am allerwenigsten klar. Ernst Stötzner guckt so freundlich selbstfremd und antriebsschwach in die Runde, als ob er gerade seine bessere Gehirnhälfte verlegt hätte. Ein Blick von schärfster Klarheit und sympathischer Leere, der die Welt mit ganz neuen Augen sieht. Sitzenbleiben? Weitertrinken? Nachhausegehen? Wozu überhaupt entscheiden? Kurz vor Schluss kommt ihm noch eine Erleuchtung.
«Wir können fliegen», jubiliert der selig auf dem Tisch wankende Hering: «Wir sind höhere Wesen, wir sind Götter!» Dazu legt Stötzner recht anmutig die Arme an, spreizt die Hände abflugbereit und streckt die Nase unternehmungslustig in die verqualmte Kneipenluft. Aus einem weltverlorenen Mittelstandstrinker wird momentlang ein stolzer Rabe.
Soviel Aufschwung ist sonst rar. In Roland Schimmelpfennigs «Ambrosia» treffen acht grundsolide Zecher zwischen Mitte dreißig und um die sechzig und geben alkoholisch enthemmten Einblick in ihre Gedanken- und Gefühlswelten. Man befindet sich in durchaus saturierten Verhältnissen, keine Arbeitslosen oder Sozialfälle am Tisch, lebt in den noch wertstabilen Quartieren der besseren Provinz und hat ...
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Theater heute Wolfgang Wiens, Sie können auf mehr als 40 Jahre im Theater zurückblicken. 1965 haben Sie angefangen als Regieassistent am Frankfurter Theater am Turm, dann waren Sie dort Dramaturg und Regisseur bis ’69 …
Wolfgang Wiens ... und weiterhin Regieassistent, alles immer in Personalunion, weil das heute legendäre TAT damals nichts anderes war als die...
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Was unterscheidet eine gute von einer schlechten Geschichte? Zum Beispiel, dass die Figuren einem Rätsel aufgeben und Neugierde erwecken, die nicht gleich auf den ersten Blick sattsam gestillt ist. Da kann – um das aktuelle Kino made in Germany zu streifen – ein dicker Koch aus dem Schwarzwald spannender sein als eine in sündigroter Couture aufgetakelte Blondine...
