Das Leid von der Seele rocken

Im Hamburger Thalia Theater zeigt Luk Perceval Wolfgang Borcherts Heimkehrerdrama «Draußen vor der Tür» in concert, Christiane Pohle verwandelt Tschechows «Drei Schwestern» in Bilderbuch-Egomanen. von Christine Wahl

Theater heute - Logo

Eine derart hipnessverdächtige Spätkarriere war von Beckmann nicht zu erwarten. Der vornamenlose Kriegsheimkehrer, der drei Jahre nach der Schlacht um Stalingrad ohne Kniescheibe, dafür aber mit seiner «Gasmaskenbrille» wieder in Hamburg auftaucht und an eine hartnäckig verschlossene Tür nach der anderen klopft, rockt anno 2011 bei Luk Perceval vergleichsweise vital über die Bühne.

Mit Jeans, T-Shirt und apartem Sieben-Tage-Bart steht er lässig vorm Mikro und presst, flüstert oder schreit den Wolfgang-Borchert-Sound, dem man sein Alter beim Lesen ja durchaus anmerkt, überraschend gegenwartsaffin über die Rampe des Thalia Theaters.


    Aus dem Bauch und vor der Tür

Es ist ein absolutes Heimspiel für Beckmann. Denn der Schauspieler Felix Knopp tritt quasi in Doppelfunktion als Borchert-Protagonist und tatsächlicher Sänger der Thalia-eigenen Band «My Darkest Star» auf, die sich dem Vernehmen nach mit ihren Depeche-Mode-Abenden lokalen Kultstatus errockt hat. Bereits seit zwei Jahren, berichtet Dramaturg Tarun Kade im Programmheft, suchten Perceval und die Bandmitglieder deshalb fieberhaft nach einem «gemeinsamen Projekt». Und jetzt, «nach vielen gewälzten und verworfenen Ideen», sei ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juni 2011
Rubrik: Aufführungen, Seite 30
von Christine Wahl

Weitere Beiträge
Gesellschaft mit beschränkter Freiheit

Denkmalgeschützt ist der Komplex der ehemaligen Kölner KFZ-Anmeldestelle gewiss nicht. In seiner Verkommenheit und der Aura des Exterritorialen lag für SIGNA der Reiz, den mehrstöckigen Riegel aus Ziegeln und Beton mit bröckelnden Kanten und heruntergelassenen Jalousien für eine Performance-Installation umzuwidmen – die dritte von Signa & Arthur Köstler sowie...

Festivalkalender

Berlin
spielzeit’europa
vom Oktober bis Dezember 
Pressebüro der Festspiele 
Schaperstr. 24, 10719 Berlin 
Tel.: 030/25 48 91 00
Fax: 030/25 48 92 30
kartenbuero@berlinerfestspiele.de
www.spielzeiteuropa.de


Bochum
Figurentheaterfestival FIDENA
von September bis Oktober 
Festivalbüro Deutsches Forum 
Hattinger Str. 467, 44795 Bochum 
Tel.: 0234/477 20
Fax: 0234/477 35
...

Utopie war gestern

Ausgerechnet eine Frau mit Namen Schlicht bringt die Utopie von gestern zu Fall. Dabei hatte doch alles ein paar Jahrzehnte lang gut funktioniert. Auf einer einsamen Insel haben sich ein paar Gleichgesinnte zusammengefunden, die auf Geld verzichten, einander bei allen täglichen Verrichtungen helfen und ganz bescheiden von Ackerbau und Viehzucht leben. Was man...