Das ist wie Schicksal
Was ist denn mit unserer Familiensaga?», fragt Lavinia am Ende aller Lieder und Worte. «Was ist mit Vater, Mutter, Kind?» Es ist eine rhetorische Frage, eine höhnische, traurig-trotzige.
Sie steht nicht bei O’Neill, dessen ausufernde Familientragödie «Trauer muss Elektra tragen» in den vorangegangenen zwei Stunden so lakonisch wie parodistisch exekutiert worden ist, doch sie verdeutlicht noch einmal, was der Regisseur Stefan Pucher im Sinn hatte mit diesem Stück: nicht das psychologische Sittengemälde, nicht das monströse Familien-Triptychon nach antikem Vorbild, auf dem sich eine ganze Gesellschaft – hier die amerikanische – bis in die feinsten Nervenzüge wiedererkennt, sondern das überlebensgroße Einzelporträt: das Bildnis der Lavinia/Elektra, in deren Kopf sich der Horror abspielt und in deren erstarrtem Antlitz er sich spiegelt. Es ist das faszinierende Gesicht der Schauspielerin Katharina Schubert, in dem Puchers Inszenierung in den Münchner Kammerspielen gipfelt. Das Gesicht einer Frau, die sich in radikaler Eigenverantwortungsethik ihrem Schicksal stellt, unendlich einsam, hart und kalt; entschlossen, sich selbst zu bestrafen, weil niemand mehr übrig ist, der ihr den Gnadenschuss gibt. ...
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Warum hassen wir die Juden?»
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Allüberall steht er auf dem Spielplan, Shakespeares venezianischer Mohr. Das Stück über die Eliminierung des Fremden passt scheinbar gut zur Aufregung um dänische Mohammed-Karikaturen, eine Regensburger Papstrede und, jüngst, zur LKA-Warnung, die in Berlin zur Absetzung der Oper «Idomeneo» führte. Die Angst, sich unbeliebt zu machen bei den gefährlichen...
