«Das ist kein Theater. Das ist viel besser!»
Wenn diese Zeilen erscheinen, sind sie hoffentlich schon veraltet. Wenn alles gutgeht, ist Mubarak dann abgetreten und meine ägyptischen Freunde sind wieder im Probenraum oder bereiten sich auf das nächste Gastspiel von «Radio Muezzin» – vor. Wenn alles falsch läuft, sitzen sie im Gefängnis oder sind tot, wie einige ihrer Freunde, und «Radio Muezzin» ist wieder verboten.
Zurzeit stehen meine Freunde täglich auf dem Tahrir Square, der jeden Abend in der Tagesschau gezeigt wird.
«Der Platz», wie sie ihn jetzt nur noch nennen, liegt keine 100 Meter weg vom Goethe Institut. Dort haben wir zusammen im Herbst 2008 mit vier Muezzinen und einem Radioingenieur Theater geprobt: Muezzine davon überzeugt, auf der Bühne nicht nur vom Koran, sondern auch von sich selber zu sprechen; zu erwähnen, dass die Stadt nicht unter Minaretten sondern einem Verkehrschaos leidet; oder durchblicken zu lassen, dass sie nicht mit allen Entscheidungen der zentralisierenden Staatsmacht einverstanden sind.
Wenn ich den Tahrir Square jetzt auf CNN sehe, ist er nicht wiederzuerkennen. Damals konnte ich ihn kaum überqueren, weil die Autos in einer seltsamen Form von Kontaktimprovisation Türe an Türe drüber fuhren. ...
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Theater heute März 2011
Rubrik: Foyer, Seite 1
von Stefan Kaegi
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