Böser Spuk
Die disparaten Textfragmente der großen Potentaten der deutschen Geistesgeschichte (Novalis, Kleist, Fichte, Hegel und Heidegger), die Elfriede Jelinek in «Wolken.Heim» zu einem unheimlichen, zeit- und ortlosen Identitätsdiskurs verschmolzen hat, irritieren immer noch. Auch 17 Jahre nach der Uraufführung befremdet diese hymnisch nationalistische Selbstbeschwörung, die auf der Ausgrenzung alles Fremden beruht, zumal auch noch Zitate der RAF-Häftlinge in den Text eingelassen sind.
Ihrer Abrechnung mit deutschen Identitätsmythen ließ die Autorin kürzlich eine zeitgemäße Fortsetzung folgen, zu der sie laut eigener Aussage die Streiks bei Opel angeregt hätten: Für Peymanns jüngste Inszenierung von «Wolken. Heim» am Berliner Ensemble hat sie so etwas wie einen Epilog unter dem Titel «Und dann nach Hause» verfasst, in dem die neoliberale Weltsicht zu Wort kommt. Ernst M. Binder hat ihn als eigenständigen Text unter dem Titel «Wolke 3» in einer Koproduktion mit dem dramagraz im Rahmenprogramm der Mülheimer Theatertage auf die Bühne gebracht.
Wie in «Wolken.Heim» wird auch in «Wolke 3» jeder Begriff, jede Selbstvergewisserung tautologisch leer geschleudert. In entsemantisierenden ...
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Die Zeitungen, Radio- und Fernsehnachrichten quollen über in diesen Tagen von Skandalen ganz nach Bauart des altvertrauten Klischees von der südamerikanischen Bananenrepublik; nur dass es halt derzeit die Hoffnungsträger von gestern sind, die augenscheinlich die Finger nicht lassen können vom schmierigen Spiel um Privilegien und Pfründe bei der staatlichen Post....
Da fehlt doch was? Hoch oben auf dem dreistöckigen verschraubten Wohnkubus blinken nur ein paar Lämpchen einsam um das leere Gerippe einer verrosteten Werbefläche, trauriger Rest irgendeines vom Wind verwehten Plakatständers. Noch vor kurzem hätte sich Bühnenbildner Bert Neumann die Gelegenheit nicht entgehen lassen, eine Videowand dort oben zu installieren, am...
Für ein Kinder- und Jugendtheater kann man sich eigentlich keinen passenderen Ort wünschen: Das Haus ist riesengroß und von einem Park mit alten Bäumen umgeben, durch den des Nachts hunderte von Fledermäusen flattern. Es ist eine Mischung aus Spuk- und Märchenschloss, hat Höfe, verwinkelte Gänge und Flure und jede Menge Platz zum Theaterspielen. Der marode Charme...
