Anke Zillich (Erinnye) und Werner Wölbern (Apollon); Foto: Birgit Hupfeld
Bochum: Prinzip Bewusstmachen
Aufgereiht zu siebt in dunklen Kleidern, als hielten sie Totenwache, sitzen sie auf einem langen hölzernen Querbalken. Harren guter Nachricht, aber was mit Macht kommt, ist Schrecken. Sie sind der Chor, dem man nicht allein rückwärtiges Wissen zutraut, sondern auch den Blick in die Zukunft. Aus der Gruppe sondert sich das Atriden-Personal ab (durch nichts gekennzeichnet als eine goldene Halskette oder einen schweren Mantel).
Sie erzählen die hier wie mündlich überliefert klingende mythische Vorgeschichte vom «notwendigen» Opfer Iphigenies, das erst den siegreichen Kampf der Griechen um Troja ermöglicht hatte. Das Schlachten des Tochter-Kindes durch den Vater aber war nicht erst Ursprung der Untaten und des Leids.
Agamemnon (Werner Wölbern) kehrt heim. Mit kaum gebändigter Kraft und doch mit gewinnend verbindlicher Geste wirbt er um die Gunst der Gattin und seines Argos: der Krieger als Politiker. Klytämnestra (Anke Zillich) trägt die Maske einladender Hausherrinnen-Art. Das Paar hält auf Abstand, kaum, dass aus dem Nebeneinander ein Miteinander wird. Nur mit einem langen Kuss stempelt Agamemnon seine trojanische Beute Kassandra und dokumentiert Besitzrecht – gegenüber beiden ...
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Theater heute Januar 2018
Rubrik: Chronik, Seite 62
von Andreas Wilink
Das zeitgenössische Dorf hat es nicht leicht auf dem deutschsprachigen Theater, wenn es denn überhaupt mal zu Worte kommt. Entweder erweist es sich als utopieresistent und dem gesellschaftlichen Fortschritt entgegenstehend, wie in den sozialistisch-realistischen Bestandsaufnahmen von Heiner Müller und Co., oder es erscheint als depperter, kleinbürgerlicher...
Wer einmal im Archiv der Akademie der Künste den Mitschnitt einer historischen Theateraufführung – beispielsweise Frank Castorfs legendäre «Räuber von Schiller» aus dem Jahr 1990 – angeschaut hat, kennt das Problem: Man starrt stundenlang auf kontrastarmes, grobkörniges Bildoberflächenmaterial, das bei glücklicher Schnittmenge von Kameraausschnitt und...
Es ist sehr schlüssig, dass das Schauspiel Leipzig mit seiner Präsentier- und Probierstätte für neue Dramatik in eine alte Diskothek gezogen ist. Also in einen Tanzraum neben dem Haupthaus, in dem bis vor wenigen Jahren tatsächlich noch die Bässe wummerten. Das zeitgenössische Theaterschreiben hat ja selber etwas Kruder-und-Dorfmeister-mäßiges, Elektropop vom...
